{"id":218,"date":"2025-08-24T14:42:33","date_gmt":"2025-08-24T14:42:33","guid":{"rendered":"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/?page_id=218"},"modified":"2025-08-28T14:29:55","modified_gmt":"2025-08-28T14:29:55","slug":"miterlebte-geschichten-anton","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/index.php\/miterlebte-geschichten-uebersicht\/miterlebte-geschichten-anton\/","title":{"rendered":"MITERLEBTE GESCHICHTEN"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Anton<\/strong>&nbsp; \u00bb<em>Er schreit und schreit und schreit &#8211; und l\u00e4sst sich nicht hinlegen..<\/em>\u00ab<br><br>und seine Mutter kamen zu mir, nachdem sie in einem Babytreff ein entsprechendes Faltblatt erhalten hatten. Anton war 10 Wochen alt. Er \u00bbschreit und schreit und schreit \u2013 den ganzen Tag und l\u00e4sst sich nicht hinlegen. Wenn er sich ins Schreien hineinsteigert, l\u00e4uft er blau an. So versuche ich, das immer abzufangen&#8230;.Ich bin manchmal dabei, emotional zusammenzubrechen und habe Tage, wo ich nur heule \u2013 ich weiss, dass Anton das mitkriegt&#8230;beginne, mich zu verschliessen\u00ab, berichtete die Mutter bei unserem telefonischen Kennenlernen.<br>Die intelligente, schmale Physiotherapeutin ist alleinerziehend, habe sich \u00bbschon immer\u00ab ein Kind gew\u00fcnscht. Vier Jahre vor Antons Geburt habe sie ihr erstes Kind in der 16. Schwangerschaftswoche verloren, da sei sie im Krankenhaus gewesen \u2013 und \u00bbes war furchtbar\u00ab &#8211;&nbsp; ( wir lassen der Trauer dar\u00fcber Raum &#8211; ). Auch dem Vater des Kindes sei es nach diesem Verlust nicht gut gegangen. Er sei nach ein paar Wochen ausgezogen.&nbsp;&nbsp;<br>3 Jahre sp\u00e4ter lernte sie Antons Vater kennen. Nach nur sechs Wochen habe sie festgestellt, dass sie schwanger war &#8230; es war nicht geplant \u2013 \u00bbein Unfall\u00ab. Sie habe sich relativ schnell von Antons Papa getrennt, \u00bbweil er mir keine Hilfe war, &#8230; ehe es wieder verloren geht. \u2013 Wie M\u00e4nner so sind, die laufen vor Problemen weg\u00ab. Er habe die Vaterschaft anerkannt, aber sie habe allein das Sorgerecht. \u00bbEr h\u00e4tte es gern gehabt \u2013 , aber jedes Mal, wenn es mir schlecht ging, war er weg. Dann fiel ich in Depressionen \u2013 &#8230;. Die Entscheidung bereue ich nicht&#8230;. Er hat das Kind drei Mal gesehen&#8230;..&nbsp; Ich bin zur Zeit froh, wenn ich nichts von ihm h\u00f6re\u00ab.&nbsp;<br>Antons Mutter erlebt die eigene Mutter und ihren Stiefvater mit Garten als Unterst\u00fctzung und \u00bbRettungsanker\u00ab. Mit ihrem einzigen, 4 Jahre \u00e4lteren Bruder, dem \u00bbstolzen Onkel\u00ab, habe sie ein \u00bbsehr gutes Verh\u00e4ltnis\u00ab . An ihren leiblicher Vater hat sie schlimme Erinnerungen: \u00bbwir mussten Wache stehen nachts, falls Papa angetrunken unserer Mutter \u00b4was antut\u00ab. Ihr Bruder habe damals seine Wut an ihr ausgelassen und ihre Mutter sei nicht gegen ihn angekommen. Nach der Scheidung ihrer Eltern habe sie als Schulkind ihren Vater in seiner kleinen Wohnung 7 Jahre lang gepflegt, w\u00e4hrend der weiterhin trank. Ihr Vater habe ihr jedoch k\u00f6rperlich nichts angetan. Sie sei seit seiner Beerdigung nicht wieder an seinem Grab gewesen.<br><br>Anton ist ein grosses, kr\u00e4ftiges Kind, das \u2013 vollgestillt \u2013 mit 10 Wochen 6 kg wog. Die ersten drei Monate der Schwangerschaft seien \u00bbschwierig\u00ab gewesen. Die st\u00e4ndige Angst der Mutter, das Kind wieder zu verlieren, habe sie begleitet. Sie sei \u00bbganz auf das Kind fixiert gewesen\u00ab. Wegen vorzeitiger Wehen habe sie im Krankenhaus wehenhemmende Mittel bekommen. Ambulant sei \u00bbganz h\u00e4ufig ein CTG geschrieben worden\u00ab. Sie selbst habe \u00bbganz viel Reiki f\u00fcr ihn gemacht\u00ab.<br>Anton wurde vaginal innerhalb weniger Stunden \u00bbohne Komplikationen\u00ab geboren.&nbsp;&nbsp;<br>Er wurde einem f\u00fcr Kinder spezialisierten Orthop\u00e4den vorgestellt, der nach dem letzten Besuch \u00bbkeine Blockierung mehr\u00ab festgestellt hatte. Die Kinder\u00e4rztin hatte Physiotherapie nach Bobath verordnet. Ferner wurde Anton cranio-sakral behandelt.<br><br>Zu unserer ersten Begegnung kommen die Mutter und die noch berufst\u00e4tige Oma (m\u00fc.) mit Anton. Beide Frauen sind erstaunt, dass er beim Weinen durch mein Sprechen mit ihm mehrfach seine Augen \u00f6ffnet und dass er ruhiger trinkt als sonst. Antons heftiges, teils w\u00fctendes Weinen wirkt zun\u00e4chst auf mich \u00fcber mehrere Sitzungen hinweg wie eine eingefahrene Gewohnheit, bei der er sehr schnell mit geschlossenen Augen in Dissoziationen hineinger\u00e4t. So versuche ich zun\u00e4chst, ihn mit verschiedenen K\u00f6rperber\u00fchrungen und mit Worten in einen Augenkontakt \u2013 , d.h. f\u00fcr mich aus der Erinnerung heraus und in sein Erleben von Gegenwart hineinzuholen. Als die Mutter von ihrem eigenen Vater erz\u00e4hlt und er dabei besonders heftig aufweint, versichere ich ihm (nachdem ich der Mutter dieses \u00bbDifferenzieren\u00ab erkl\u00e4rt habe), dass dies Mamas Problem ist, sie sich selbst darum k\u00fcmmert und er sich darum nicht zu sorgen braucht. Der Ton von Antons Weinen dr\u00fcckt f\u00fcr mich u.a. so etwas aus wie: das ist mir alles zu viel.<br>In der dritten von insgesamt 9 Sitzungen berichtet die Mutter, dass das Weinen \u00bbviel besser\u00ab geworden sei. Sie k\u00f6nne Anton jetzt \u00bbbis zu einer Stunde hinlegen und besch\u00e4ftigen, ohne dass er weint. Auch weint er nicht mehr so heftig\u00ab. Es sei jetzt mehr ein \u00bbmeckern. Das ist viel leichter zu ertragen. Auch ist er viel mehr in der Gegenwart anwesend\u00ab. Ich empfinde seinen K\u00f6rper als weicher geworden, \u2013 ihn auch beim Trinken wieder ruhiger. Sie kann sich die F\u00fcsse halten lassen und freut sich schon auf Massagen f\u00fcr sich selbst, wenn sie das Kind versorgt wissen wird. In der vierten Sitzung berichtet sie, dass Anton einen ganzen Tag lang friedlich gewesen sei \u00bbals ob er verstanden hat, nachdem ich meiner Mutter offen am Telefon das Ende meiner Kr\u00e4fte und meine \u00c4ngste mitgeteilt&nbsp; habe, dass ich es nicht schaffe, meine Selbstbeherrschung und meinen Stolz nicht mehr aufrecht erhalten habe, es allein schaffen zu m\u00fcssen. Meine Mutter hat verst\u00e4ndnisvoll zugeh\u00f6rt&#8230; ich h\u00e4tte fr\u00fcher nicht gedacht, dass wir einmal ein so gutes Verh\u00e4ltnis miteinander haben w\u00fcrden&#8230; Anton \u00f6ffnet sich jetzt viel mehr f\u00fcr Reiki&#8230; bei Tarot-Karten ziehe ich f\u00fcr Anton immer wieder die Karte f\u00fcr Angst&#8230; das ist meine Angst in der Schwangerschaft\u00ab.&nbsp; Immer noch \u00fcberstrecke sich Anton sehr stark nach hinten, sodass manchmal nur seine Hacken und sein Kopf die Matte ber\u00fchrten. Ich leite die Mutter an, die Bewegung des Kindes sanft zu begleiten. Gegen\u00fcber allen meinen \u2013 und der Kinder\u00e4rztin Vorschl\u00e4gen zur Entlastung durch eine Mutter-Kind-Kur, durch Vermittlung eines Gespr\u00e4ches mit dem Vater des Kindes oder die Vermittlung eines \u00bbGrosselterndienstes\u00ab hat sie zun\u00e4chst viele Argumente.&nbsp;<br>In der 6. Sitzung berichtet sie schliesslich, dass sie sich f\u00fcr eine Kur entschieden und zum Zuf\u00fcttern habe \u00fcberreden lassen. Wir erleben, wie sich Anton kr\u00e4ftig mit seinen F\u00fcssen abst\u00f6sst, was er zuhause oft tue. Ich lade die Mutter ein, dieses Schieben in R\u00fcckenlage auf der Matte mit ihren H\u00e4nden an seinem Kopf und mit bezeugenden Worten zu begleiten. Anton kommt in sehr heftiges Weinen, was die Mutter bei diesem ersten Mal als \u00bbgrenzwertig\u00ab erlebt.<br>Weil sie die heftigen Geburtsbewegungen des Kindes und den Ausdruck seines Schmerzes dabei offenbar schwer ertr\u00e4gt \u2013 , schreibe ich ihr nach dieser Sitzung einen Brief, in welchem ich ihr das Bed\u00fcrfnis vieler Kinder nach einem k\u00f6rperlichen Nacharbeiten der eigenen Geburt zu erl\u00e4utern versuche und ihr das Buch von Etienne und Neeto Peirsmann \u00bbMit sanfter Ber\u00fchrung \u2013 Craniosakral-Behandlung f\u00fcr Babies und Kleinkinder\u00ab empfehle. In der 7. Sitzung berichtet sie von ihrer sehr tiefen Entt\u00e4uschung \u2013 ihren Tr\u00e4nen \u2013 dar\u00fcber, dass die Kur in Wohnn\u00e4he und so bald wie m\u00f6glich, wo sie es sich gew\u00fcnscht hatte, abgelehnt worden sei \u2013 .&nbsp; Anton schiebt sich wieder auf seinem R\u00fccken und kommt mit geschlossenen Augen in heftiges Weinen, dreht sich dann auf den Bauch. Angesichts der Ersch\u00f6pfung der Mutter und entgegen meiner Gewohnheit frage ich sie, ob ich Anton auf meinen Arm nehmen d\u00fcrfe. Nachdem sie deutlich schweren Herzens bejaht, \u00f6ffnet er durch das Licht und die Luft am offenen Fenster sowie durch mein Sprechen zu ihm seine Augen und beruhigt sich. Wir suchen danach nur noch gemeinsam nach Kraftquellen f\u00fcr die Mutter und finden solche erneut in bestimmten K\u00f6rperwahrnehmungen und Selbstber\u00fchrung, in ihrem Basteln und Tagebuch-schreiben.. In den n\u00e4chsten Wochen suche auch ich \u2013 erfolgreich \u2013 nach einer geeigneten Kureinrichtung f\u00fcr die beiden in Wohnn\u00e4he, die umgehend einen Platz frei hat. Wir treffen uns davor das achte Mal: Anton kommt wieder in heftiges Schieben und Weinen, seinen Kopf in meine \u2013 dann in der Mutter H\u00e4nde grabend und dieses Mal schnell im Augenkontakt. Nun unterst\u00fctzt sie ihn \u00fcberzeugt. Wir erleben ihn danach v\u00f6llig entspannt, \u00bbwie befreit\u00ab, sagt sie. Sie war inzwischen von dem Buch der Peirsmans \u00bbsehr beeindruckt\u00ab und hatte das Kapitel \u00fcber die Geburt darin \u00bbimmer wieder gelesen\u00ab.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">3 Monate nach der Kur, bei unserem neunten Treffen in Antons 10. Monat, erfahre ich, dass sie sich nun \u00bbpsychisch stabil\u00ab f\u00fchle und durch die einf\u00fchlsame Mitarbeiterin des Jugendamtes einen Kitaplatz f\u00fcr 8 Stunden bekommen habe, obwohl sie zur Zeit keine Arbeit finde. Anton wirkt auf mich offen, strahlend, krabbelt, zieht sich hoch, sucht h\u00e4ufig der Mutter \u2013 und meine K\u00f6rpern\u00e4he. \u00bbZu Hause ist er st\u00e4ndig an mir, w\u00fchlt mit seinem Kopf im Schlaf zu mir hin&#8230; schimpft sehr viel\u00ab. Ihm ernst gemeinte Grenzen zu setzen, scheint f\u00fcr die Mutter eine nicht leicht zu bew\u00e4ltigende Herausforderung.<br>Sie hatte sich das Buch von David Chamberlain \u00bbWoran Babies sich erinnern\u00ab zu ihrem Geburtstag von ihrem Bruder schenken lassen wollen. Aber es war auf dem B\u00fcchermarkt nicht zu bekommen. Nachdem sie es, Anton war inzwischen 20 Monate alt, endlich bei mir ausleihen konnte und es \u00bbin einem Zug\u00ab gelesen hatte, meinte sie: \u00bbdas h\u00e4tte mir jemand in der Schwangerschaft zu lesen geben sollen\u00ab.<br>Die Fotos, welche sie mir dankenswerterweise zur Ver\u00f6ffentlichung gab, zeigen Anton mit 10 Wochen auf dem Arm seiner Oma und unmittelbar nach der Kur.<br><br>Und hiermit danke ich Antons Eltern sehr herzlich, diesen Bericht hier ver\u00f6ffentlichen zu d\u00fcrfen.\u00a0\u00a0\u00a0 R.P.<br><br><br><a href=\"http:\/\/www.ruthpriese.de\/index.php?id=28#c30\"><br><\/a><a href=\"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/index.php\/miterlebte-geschichten-uebersicht\/miterlebte-geschichten-anton\/\">zum Seitenanfang<\/a><br><br><a href=\"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/index.php\/miterlebte-geschichten-uebersicht\/\">zur \u00dcbersicht<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anton&nbsp; \u00bbEr schreit und schreit und schreit &#8211; und l\u00e4sst sich nicht hinlegen..\u00ab und seine Mutter kamen zu mir, nachdem sie in einem Babytreff ein entsprechendes Faltblatt erhalten hatten. 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