{"id":224,"date":"2025-08-24T14:46:51","date_gmt":"2025-08-24T14:46:51","guid":{"rendered":"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/?page_id=224"},"modified":"2025-08-28T14:31:05","modified_gmt":"2025-08-28T14:31:05","slug":"miterlebte-geschichten-mira","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/index.php\/miterlebte-geschichten-uebersicht\/miterlebte-geschichten-mira\/","title":{"rendered":"MITERLEBTE GESCHICHTEN"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Mira<\/strong>\u00a0 \u00bb..<em>wir haben ein anderes Kind!<\/em>\u00ab<br><br>wurde von ihren Eltern zu mir gebracht, als sie fast 5 Monate alt war. Sie h\u00e4tten im \u201eKids Go\u201c von mir gelesen, wollten einfach ausprobieren, ob ihnen das hier helfe, weil sie bei vielen anderen Stellen bereits ohne Erfolge Hilfe gesucht h\u00e4tten. Sie waren aber sehr skeptisch.\u00a0<em>\u00bbWir haben ein unruhiges Kind. Ich habe auch Probleme mit dem Stillen, sie geht immer an die Brust ran \u2013 und ab \u2013 ran \u2013 und ab\u00ab,\u00a0<\/em>beschrieb die zarte, unsichere Mutter (Betriebswirtin) die Situation zuvor am Telefon:\u00a0<em>\u00bbSie quengelt st\u00e4ndig, es sei denn, ich laufe mit ihr \u00b4rum. Da hilft nur alle 2 Stunden Anlegen. Aber das will ich nicht mehr. Ich zweifle schon, dass ich keine gute Mutter bin. Vielleicht hat sie eine Verengung des Darms, weil sie immer auch kurz vor dem Stuhlgang schreit\u00ab<\/em>.\u00a0 Sie habe von einem\u00a0<em>\u00bbgastrokolischen Reflex\u00ab\u00a0<\/em>gelesen. Wenn das Kind nachts mehrmals wach wird, werde sie oft w\u00fctend, was ihr wiederum ein schlechtes Gewissen mache. Nach diesem unserem Kennenlern-Telefonat sei die Mutter\u00a0<em>\u00bbnachdenklich\u00ab<\/em>\u00a0gewesen<em>.<\/em><br>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Mira ist ein gew\u00fcnschtes &#8211; und das erste Kind ihrer Eltern, die schon 7 Jahre lang zusammen leben. Der Vater ist als Gesch\u00e4ftsleiter beruflich sehr eingebunden. Die Schwangerschaft sei\u00a0<em>\u00bbsehr gut\u00ab<\/em>\u00a0verlaufen. Sie h\u00e4tten eine\u00a0<em>\u00bbganz tolle\u00ab<\/em>\u00a0Hebamme gehabt, die der Mutter u.a. Akkupunktur gegeben habe\u00a0<em>\u00bbf\u00fcr eine schnelle Geburt. Das hat auch geklappt\u00ab<\/em>. 6 \u00bd Stunden habe die Spontangeburt gedauert, 11 Tage nach dem errechneten Termin und in Gegenwart des Vaters. Mira habe\u00a0<em>\u00bbStress unter der Geburt gehabt, hat Mekonium geschluckt. Das Fruchtwasser war gr\u00fcn. Die \u00c4rztin hat ihr schon eine Kan\u00fcle zum Absaugen in den Mund geschoben, als nur der Kopf geboren war. Sie hat immer wieder gespuckt am ersten Tag\u00ab.\u00a0<\/em>Die Begr\u00fc\u00dfung zwischen Eltern und Kind sei sehr sch\u00f6n gewesen: Sie h\u00e4tten einander gleich angeschaut. Sie habe das Kind gleich angelegt und zu dritt h\u00e4tten sie die ersten 4 Stunden nach Miras Geburt allein im Kreissaal sein k\u00f6nnen.<br>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Ihr Kind habe jedoch schon auf der Wochenstation sehr viel geschrien. Die Milch habe in den ersten zwei Tagen bis zum Milcheinschuss einfach f\u00fcr Miras Hunger nicht gereicht. Die Mutter habe viel Angst gehabt, dass sie die andere Mutter und ihr Kind im gleichen Zimmer st\u00f6ren k\u00f6nnte.<br>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Eltern waren mit Mira beim Orthop\u00e4den, der zun\u00e4chst eine \u00bb<em>angebliche<\/em>\u00a0<em>Blockade an der Wirbels\u00e4ule, vier Wochen sp\u00e4ter auch noch am Brustbein l\u00f6ste\u00ab\u00a0<\/em>und anschlie\u00dfend Physiotherapie mit Cranio-Sakraltherapie verschrieb. Verdauungsprobleme und\u00a0<em>\u00bbangeblich<\/em>\u00ab KISS seien dann vom Alter von 6 Wochen von einer Ostheopathin (auch cranio sacral) behandelt worden. Dabei w\u00e4re der Stuhl jedes Mal \u00b4rausgedr\u00fcckt worden, was dem Kind augenscheinlich kurze Zeit Entspannung verschafft habe. Die Kinder\u00e4rztin habe auch von Koliken gesprochen.<br><br>Mira sieht mich bei unserer ersten Begegnung intensiv mit beschwertem, ernstem Gesicht an. Als sie auf Papas Arm unruhig wird und z\u00f6gerlich weint, wirken ihre Bewegungen, ihr Durchbiegen des R\u00fcckens auf mich wie ein Auseinanderfallen ihres K\u00f6rpers. Ich habe gleich den Eindruck, dass dieser kleine Mensch uns mit seinen Bewegungen zeigen m\u00f6chte, was er in Schwangerschaft und Geburt erlebt hat. In der von Miras Bewegungen und T\u00f6nen bestimmten kurzen Zeit, die mir daf\u00fcr bleibt, versuche ich, den Eltern diesen sichtbaren Wunsch ihres Kindes zu erkl\u00e4ren. Das ist f\u00fcr beide offenbar v\u00f6llig neu und fremd. Sie geben mir z\u00f6gerlich ihr Einverst\u00e4ndnis, die Bewegungen und das Weinen des Kindes ermutigend zu begleiten. Der Mutter kommen Tr\u00e4nen, sodass ich mich entscheide, Miras Ausdrucksprozess zu\u00a0 unterbrechen: Ich bitte die Mama, das Kind an ihren K\u00f6rper zu nehmen. Sie stillt Mira und ich empfinde den Anblick der beiden als sehr friedlich. Die Eltern erkundigen sich nach den Erkl\u00e4rungen, die ich Miras Verhalten gebe, und nach meinen Ausbildungen. Der Vater betont sein naturwissenschaftliches Weltbild. Ich spreche von Wilhelm Reich, David Chamberlain und Etienne sowie Neeto Peirsman, zeige deren sch\u00f6ne Fotos von \u00bbGeburtsprozessen\u00ab.\u00a0<em>\u00bbWie geht es weiter?\u00ab,<\/em>\u00a0fragt die Mutter. Ich schlage vor, in Ruhe zuhause miteinander zu beraten, ob sie wiederkommen m\u00f6chten. Sie rufen an und erbitten einen n\u00e4chsten Termin.<br>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Beim zweiten Treffen nach einer Woche wieder mit allen Dreien empfinde ich Mira als nicht ganz so ernst und die Mutter etwas gefestigter, gelassener und zum Kind inniger. Die Woche sei viel ruhiger gewesen. Das sei au\u00dfer dem hier Erlebten vermutlich auch Folge des Rates einer Stillberaterin, nach Bedarf zu stillen. Sie trage Mira zwar weiterhin nicht, aber schlafe jetzt \u00f6fter mit ihr zusammen. Gerade habe Mira zwei Stunden auf ihrem Bauch geschlafen und sie habe das genossen! Mira dr\u00fcckt, auf ihrem Bauch liegend, ihr Gesicht in eine meiner Matten. Ich gebe ihr Halt an ihren F\u00fcssen, best\u00e4tige mit Worten, was ich erlebe und so schiebt sie sich heftig weinend und ihren K\u00f6rper biegend in unserer gemeinsamen, sie k\u00f6rperlich ber\u00fchrenden und Begleitung mit unseren Worten eine gro\u00dfe Strecke. Als sie auf der Seite schluchzend liegen bleibt und die Mama anschaut, bitte ich diese, sich neben das Kind zu legen und es zu tr\u00f6sten, was diese \u2013 heute ohne eigene Tr\u00e4nen &#8211; liebevoll tut. Als Mira dann beim Papa auf dem Arm ist, f\u00e4hrt sie dort fort, sich zu winden und aufzub\u00e4umen. Ich\u00a0 frage die Eltern, ob wir dem Kind eine weitere \u00bbRunde\u00ab erm\u00f6glichen sollen. Die Mutter ist eindeutig daf\u00fcr, der Vater sagt entschieden:\u00a0<em>\u00bbNein, ohne mich! Ich kann mein Kind nicht so leiden sehen\u00ab<\/em>. Mit dieser Ablehnung im Raum entschlie\u00dfe ich mich, den Vater zu ermutigen, das Kind von seinen Impulsen abzulenken, was ihm durch schaukelndes Gehen und die N\u00e4he des Fensters auch gelingt. Die Mutter sagt:<em>\u00a0\u00bbMira verarbeitet ihre Geburt\u00ab.\u00a0<\/em>Nun g\u00e4hnt Mira drei Mal auf Papas Arm, was ich dankbar als Zeichen einer leichten Entspannung erlebe. Im Autositz jedoch biegt sie sich erneut heftig durch und st\u00f6\u00dft mit den F\u00fcssen. (Immer in solchen Situationen bin ich \u00e4rgerlich auf diese Art, so kleine Kinder fern vom K\u00f6rper ihrer Eltern zu transportieren.)<br>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Bei unserem dritten Treffen mit der ganzen Familie empfinde ich Mira wieder sorgenvoller, blass, zerbrechlich &#8211; trotz kr\u00e4ftiger Konstitution. Die Mutter:<em>\u00a0\u00bbdie ganze Woche war schlimm, Mira hat viel \u2013 schmerzlich &#8211; geweint, heute besonders doll, etwa 30 Minuten lang. Ich bin am Ende&#8230;\u00ab.<\/em>\u00a0Der Vater berichtet, dass sie zum ersten Mal mit Mira zusammen einkaufen waren und dass das Wochenende recht ruhig gewesen sei. Wir sprechen \u00fcber M\u00f6glichkeiten, die N\u00e4chte so zu gestalten, dass das Kind nicht allein schl\u00e4ft und sich dadurch vielleicht sicherer f\u00fchlen kann und weniger wach wird, und, da deutlich wird, dass die Mutter mit dem h\u00e4ufigen Stillen \u00fcberfordert ist, \u00fcbers Zuf\u00fcttern und Mutters Erwartungs\u00e4ngste&#8230;Als Mira anf\u00e4ngt zu weinen, h\u00f6re ich, dass der Papa unsere letzte Sitzung nicht gut fand. Er stehe schon dahinter, wenn es n\u00f6tig sei, wolle es selbst aber nicht begleiten, das solle die Mutter machen. F\u00fcr mich ist dies ein Signal, dass wir auf die Bereitschaft des Vaters warten m\u00fcssen. Ich bitte ihn, das Kind zu tragen, was f\u00fcr mich eine Ablenkung von ihren Impulsen ist. Mutter:<em>\u00a0\u00bbwenn sie auf dem Arm ist, ist sie still, aber dazu habe ich keine Kraft mehr\u00ab.\u00a0<\/em>Nachdem Mira gestillt wurde, verabreden wir den n\u00e4chsten Termin in einer Woche.<br>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Bei unserem vierten Treffen zu viert erlebe ich Mira wieder weicher und gel\u00f6ster in ihrem Gesichtsausdruck. Wir sprechen erneut \u00fcber Papas Zweifel an meiner Art, ein Kind zu begleiten, \u00fcber seine Angst, dass wir ihm etwas\u00a0<em>\u00bbaufzwingen\u00ab.\u00a0<\/em>Folglich spreche ich heute nur mit Mira, als sie unruhig wird und halte mit Einverst\u00e4ndnis der Eltern K\u00f6rperkontakt zu ihr mit meiner Hand. Dann nimmt der Papa sie auf seinen Arm, wo sie f\u00fcr mich entspannter und ruhiger aussieht, als ich es von den letzten Treffen her in Erinnerung habe. Wir sprechen \u00fcber Mutters Ressourcen&#8230; Ihr f\u00e4llt ein, dass sie selbst als Baby beim Weinen allein gelassen worden \u2013 und sehr fr\u00fch in die Krippe gekommen sei. \u00bb<em>Insgesamt ist es aber besser geworden\u00ab.\u00a0<\/em>Sie schl\u00e4ft jetzt nachts neben Mira, der Vater will es am Wochenende tun. Und es soll mit Zuf\u00fcttern begonnen werden. Sie nimmt das Buch von D. Chamberlain: \u00bbWoran Babys sich erinnern\u00ab mit und hat es bis zur n\u00e4chsten Woche ausgelesen. Er: \u00bb&#8216;<em>ist ein bisschen wie Familientherapie\u00ab.<\/em><br>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Zu unserem f\u00fcnften Treffen kommt der Papa aus beruflichen Gr\u00fcnden 45 Minuten sp\u00e4ter. Mutter:\u00a0\u00bb<em>vorgestern und gestern ist alles wunderbar gewesen, Mira ist fr\u00f6hlich gewesen und ist mehrere N\u00e4chte nachts nur ein Mal gekommen. Aber heute war es wieder ganz schlimm. Sie ist nachts alle 2 Stunden gekommen und war den ganzen Tag \u00fcber quengelig\u00ab.<\/em>\u00a0Und strahlend: \u00bb<em>aber heute fr\u00fch haben wir bis um 9 Uhr zusammen im Bett verbracht\u00ab.\u00a0<\/em>Sie h\u00e4tten gestern schon \u00fcberlegt, ob sie \u00fcberhaupt noch zu mir kommen m\u00fcssten oder \u00bb<em>blo\u00df so prophylaktisch, weil es uns gut tut, nicht wegen des Kindes\u00ab.\u00a0<\/em>Die Mutter habe sich von der Kinder\u00e4rztin eine \u00dcberweisung zum Ultraschall von Miras Bauch geben lassen, weil es trotz hom\u00f6opathischer K\u00fcgelchen scheint, als leide das Kind unter Verstopfung. Aber sie sei unsicher, ob sie dahin gehen soll. Ich erkl\u00e4re meine \u00dcberzeugung von psychosomatischen Spannungen bei Mira, von denen wir ja gemeinsam erlebt haben, wie sie sie ganz allein abarbeiten m\u00f6chte&#8230;Mira wird unruhig, nachdem die Mutter ihre Beinchen mehrfach gestreckt und wieder angewinkelt hat, das belustige sie. Mira kommt bald in sehr heftiges Weinen mit Tr\u00e4nen und offenen Augen, Schimpfen und Schieben \u2013 zwei gro\u00dfe Runden auf meinen Matten. Auch die Mutter begleitet sie liebevoll, jetzt \u00fcberzeugt: \u00bb<em>sch\u00f6n!\u00ab<\/em>. Auf ihrem Arm fordert Mira noch ein zweites Mal ein und ist dann sehr ersch\u00f6pft, wird gestillt. Da kommt der Papa, nimmt seine Tochter auf den Arm und bemerkt ihr \u00bb<em>anderes, gel\u00f6steres Gesicht\u00ab.\u00a0<\/em>Mutter: \u00bb<em>Es war gar nicht so schlimm \u2013 vielleicht m\u00fcssen wir dann doch noch weiterkommen.\u00ab<\/em><br>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Zum sechsten Termin kommen Mutter und Kind allein: \u00bb<em>nach so einem Schieben ist Mira immer 1-2 Tage v\u00f6llig entspannt, fr\u00f6hlich und unkompliziert. Dann wird sie nach und nach wieder unzufriedener und es kommt zu einer solchen Entladung. Ich habe das zuhause allein begleitet auf unserem Ehebett. Da hat sie 6 Runden geschoben. Papa ist einverstanden, dass ich nun allein hier zur Therapie bin\u00ab.\u00a0<\/em>Mira sei nachts nur ein Mal gekommen und habe jetzt t\u00e4glich 1-2 Mal Stuhlgang. Die Mutter ist nun \u00fcberzeugt davon, dass es keine speziellen Darmprobleme sind. Sie werde mit dem Kind auch nicht zu dem Ultraschall gehen. Die Anmut zwischen ihr und Mira erscheint mir wieder gr\u00f6\u00dfer und sch\u00f6ner geworden. Dann kommt Mira auf dem Bauch liegend erneut in sehr sehr heftiges Weinen und Schieben. Ihr K\u00f6rper windet sich, b\u00e4umt sich hin und her. Auch ihr Kopf geht hin und her, wo die Mutter liebevoll versucht, Blickkontakt zu ihr herzustellen, aber den Eindruck hat, dass Mira ihren Blicken ausweicht. Auf Mamas Arm blickt sie dann wie aus einer anderen Welt kommend und wird mit \u00bb<em>Willkommen in der Wirklichkeit!\u00ab\u00a0<\/em>begr\u00fc\u00dft. Dann fordert Mira mit ihren K\u00f6rperbewegungen eine zweite Tour \u2013 und ruht danach wieder in ihrem Hafen aus. Aber als Mama sie zum Anziehen auf die Matte legen will, weint sie. Noch einmal nimmt Mama sie hoch und wieder weint Mira beim Ablegen. Dieses Mal bleibt die Mutter dabei und beruhigt das Kind mit dem Schnuller &#8211; : \u00bb<em>Wie lange Noch?\u00ab\u00a0\u2013\u00a0<\/em>\u00bb<em>Ich wei\u00df es nicht\u00ab.<\/em><br>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Beim siebenten Treffen wieder ohne Papa (\u00bb<em>&#8211; gut, dass Du am Donnerstag wieder mit dem Kind zur Ruth gehst\u00ab)\u00a0<\/em>berichtet die Mutter, 5 von 7 Tagen der Woche seien gut gewesen. Nachts komme Mira 1 Mal, das sei ertr\u00e4glich. Tags schlafe sie jetzt ganz viel, sei immer m\u00fcde. Der Stuhlgang komme jetzt oft beim F\u00fcttern. Mira kommt aus der Bauchlage auf die Knie, wippt den Po in die H\u00f6he, weint. Ich lege meine H\u00e4nde an ihre F\u00fc\u00dfe, Mama kniet an ihrem Kopf. Mira schiebt sich durch Mutters K\u00f6rper hindurch, weniger Strecken, weniger Sto\u00dfen, weniger Winden ihres K\u00f6rpers dabei, oft aufgestemmt auf beide \u00c4rmchen mit offenen Augen der Mutter klagend erz\u00e4hlend \u2013 dann auf Mutters Arm \u2013 gel\u00f6st. Im Gespr\u00e4ch ist die Mutter interessiert an Gr\u00fcnden f\u00fcr Miras Bewegungen \u00fcber die Geburt hinaus. Ich deute an, dass es auch systemische \u00bbAltlasten<em>\u00ab<\/em>\u00a0gibt, mit denen die Kinder sich identifizieren und sie deshalb ausdr\u00fccken k\u00f6nnen. Sie berichtet von einem Problem zwischen ihr und ihrem Mann, das sie auch in der Schwangerschaft sehr belastet habe. Mir wird Miras K\u00f6rpersprache wieder ein wenig verst\u00e4ndlicher.<br>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Auch beim achten Treffen sind wir zu dritt: \u00bb<em>Endlich haben wir regelm\u00e4\u00dfige Zeiten!\u00ab.\u00a0<\/em>Ich gebe als \u00bbHausaufgabe<em>\u00ab<\/em>, das zu genie\u00dfen. Wir haben wieder ein wenig Mu\u00dfe zum Horchen auf Mamas Kindheit und Jugendzeit. Miras Phase mit Bewegungen und Weinen im Vierf\u00fc\u00dflerstand und Krabbelans\u00e4tzen ist kurz und heftig. Sie schaut die Mutter dabei an, greift nach ihr, kr\u00fcmmt sich kurz und kommt auf ihrem Arm sofort zur Ruhe \u2013 jetzt ohne nochmalige entsprechende Bewegungsimpulse. Die Mutter thematisiert zum ersten Mal die Eingew\u00f6hnung in eine Kita, auf welche die Familie mit Vollendung von Miras erstem Lebensjahr zusteuert. Ich spreche unverhohlen meine Trauer dar\u00fcber aus, dass diese Trennung so fr\u00fch in ihrem Leben sein soll, wo es nun doch gerade erst ein wenig vergn\u00fcglicher f\u00fcr das Kind geworden ist. Zum ersten Mal schl\u00e4gt die Mutter einen Termin erst in 14 Tagen vor.<br>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Beim neunten Kontakt wirken die Mutter und Mira auf mich verhalten fr\u00f6hlich: Es seien wieder gro\u00dfe positive Ver\u00e4nderungen geschehen. \u00bb<em>Wir haben ein anderes Kind!\u00ab.\u00a0<\/em>Der Papa k\u00f6nne sie jetzt nachts auch beruhigen, die Nachtmahlzeit sei weggefallen, tags esse Mira problemlos zwei Breie. Vorgestern habe sie ganz viel geweint, gestern durchgeschlafen. Sie habe seit drei Wochen Durchfall, was die Kinder\u00e4rztin aber nicht dramatisiert habe, da alle Schleimh\u00e4ute und die Fontanellen o.k. seien. Den Termin zum Ultraschall des B\u00e4uchleins hat die Mutter in der Tat nicht wahrgenommen. Als Mira gestern am Tag fr\u00f6hlich gewesen sei, habe sie mit ihr \u00bbernst<em>\u00ab<\/em>\u00a0geredet, dass sie beide nachts das Durchschlafen brauchen. Mira wirkt auf mich weiterhin zart und nachdenklich. Einen intensiven Blickkontakt zu mir, in dem ich ihre Mimik spiegele, bricht sie durch Abwenden des Kopfes deutlich \u00fcberfordert ab. Sie schaukelt vergn\u00fcglich im Vierf\u00fc\u00dflerstand und l\u00e4chelt ihren kleinen Pl\u00fcschelefanten begl\u00fcckt an. Das Verh\u00e4ltnis zwischen ihr und der Mutter wirkt auf mich soo viel gel\u00f6ster! Ich genie\u00dfe die beiden. Nachdem ich Miras Unterk\u00f6rper ein wenig massiert habe, (weil ich den Eltern gern noch Elemente der Schmetterlingsbabymassage mitgeben m\u00f6chte), kommt sie noch einmal in eine kurze, heftige Wein- und Schimpfphase mit w\u00fctenden sto\u00dfenden Bewegungen, dann aber schnell auf Mutters Arm zur Ruhe: \u00bb<em>Wir h\u00e4tten uns und ihr so viel ersparen k\u00f6nnen! Ich erz\u00e4hle das \u00fcberall weiter. Ich habe mir nicht vorstellen k\u00f6nnen, einmal bei so etwas zu landen\u00ab.<\/em>\u00a0Mama legt sich gem\u00fctlich auf meine Matten genie\u00dft den Anblick ihres Kindes, registriert bewusst ihre eigenen \u00c4ngste, dass Miras Weinen wieder losgehen k\u00f6nnte. Sie berichtet von einem Gespr\u00e4ch mit ihrer Mutter \u00fcber ihre eigene Babyzeit. Und sie sage Mira immer wieder: \u00bb<em>&#8230; das sind Mamas Probleme, nicht Deine!\u00ab<\/em>. Beim n\u00e4chsten Kind werde sie ambulant in der Klinik entbinden. Ich gebe das Buch von Hans-Joachim Laewen und Beate Andres \u00fcber deren Eingew\u00f6hnungskonzept in Krippe und Tagespflege mit.<br>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Den f\u00fcr 14 Tage darauf verabredeten Termin sagt die Mutter ab. Obwohl Mira jetzt fast nur noch ein fr\u00f6hliches Kind sei, das nachts durchschl\u00e4ft, habe es heute die ganze Nacht geweint, sei vermutlich krank und sie wolle mit ihm heute lieber zur Kinder\u00e4rztin gehen. Eine Woche sp\u00e4ter kommt erneut der Papa mit. Jetzt ist auch die Mama \u00bb<em>seit langem zum ersten Mal krank. Die N\u00e4chte sind z.Zt. wieder ganz schlimm\u00ab.\u00a0<\/em>Die Eltern k\u00e4men nachts auch manchmal in Streit, wer von ihnen das Kind beruhigen geht. Ich erl\u00e4utere die dadurch entstehende zus\u00e4tzliche Beunruhigung f\u00fcr Mira. Mir wird deutlich, dass zu viel k\u00f6rperliche N\u00e4he f\u00fcr diese Mutter derzeit zu viel ist und pl\u00e4diere in dieser konkreten Situation f\u00fcr in der Regel noch getrenntes Schlafen von Eltern und Kind. Mutter: \u00bb<em>Ich m\u00f6chte mein fr\u00f6hliches Kind von vor der Erk\u00e4ltung wieder haben!\u00ab\u00a0<\/em>Miras Durchfall ist weg. Der Papa \u00e4u\u00dfert nun die \u00dcberzeugung, dass das\u00a0\u00bb<em>Schieben hier\u00ab<\/em>\u00a0die Ver\u00e4nderungen bei ihrem Kind bewirkt habe:\u00a0\u00bb<em>Ich verstehe es zwar nicht, aber es funktioniert. Es geht dem Kind danach eindeutig besser \u2013 wie manchmal bei dem PC, ich verstehe nicht wie &#8211; , aber es funktioniert.\u00ab<\/em><br>Ich bitte eindringlich um klare Absprachen zwischen den Eltern\u00a0 v o r dem Schlafengehen.<br>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Zum elften und von der Mutter deutlich als letztes markierten Treffen sind sie und Mira wieder allein gekommen: Der Papa habe sich das letzte Mal nicht so wohl gef\u00fchlt, weil zwischen mir und der Mutter eine gewisse Intimit\u00e4t entstanden sei. Ich hatte mir zwei B\u00fccher \u00fcber Gl\u00fcck und Kommunikation\u00a0 eingesteckt, die die Mutter gern zum Lesen mitnimmt. Mira krabbelt und f\u00e4ngt an, sich zum Stehen hoch zu ziehen. Sie sei\u00a0\u00bb<em>wieder fr\u00f6hlich aber &#8218;bisschen quengelig, nicht so wie vor der Krankheit\u00ab,<\/em>\u00a0lasse sich nachts beruhigen. Der n\u00e4chtliche Streit zwischen den Eltern habe aufgeh\u00f6rt, sodass die Mutter zufrieden ist. Ich empfinde Miras \u00bbQuengeln<em>\u00ab<\/em>\u00a0jetzt eher als Unzufriedenheit mit den Grenzen ihres K\u00f6nnens, leite die Mutter zum Streicheln an, wenn das Kind ihre K\u00f6rpern\u00e4he sucht. Die Mutter wirkt auf mich gestraffter, auch in ihrer K\u00f6rperhaltung. Beim gro\u00dfen Familientreffen am Wochenende sei Mira das liebste und fr\u00f6hlichste Kind und 2 Stunden lang auf dem Scho\u00df der Gro\u00dfmutter gewesen. Es geht auch um die Frage, ob die Gro\u00dfeltern jetzt mehr und mehr in die Pflege des Kindes einbezogen werden k\u00f6nnten, damit \u00bb<em>wir \u00b4mal z. B. einen Abend ohne Kind verbringen k\u00f6nnen\u00ab.<\/em>\u00a0Die Mutter plant eine 8-Wochen dauernde Eingew\u00f6hnungszeit in die Kita und freut sich jetzt schon auf ihre KollegInnen auf ihrer Arbeit &#8211; , \u00e4u\u00dfert erneut ihre Dankbarkeit: \u00bb<em>\u00b4was Besseres h\u00e4tte der ganzen Familie nicht passieren k\u00f6nnen. Wir h\u00e4tten schon viel fr\u00fcher kommen sollen&#8230;\u00ab<\/em>.<br><br><br><em>Und hiermit danke ich Miras Eltern sehr herzlich, diesen Bericht hier ver\u00f6ffentlichen zu d\u00fcrfen.\u00a0\u00a0\u00a0 R.P. im Januar 2010<\/em><br><br><br><br><a href=\"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/index.php\/miterlebte-geschichten-uebersicht\/miterlebte-geschichten-mira\/\">zum Seitenanfang<\/a><br><br><a href=\"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/index.php\/miterlebte-geschichten-uebersicht\/\">zur \u00dcbersicht<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mira\u00a0 \u00bb..wir haben ein anderes Kind!\u00ab wurde von ihren Eltern zu mir gebracht, als sie fast 5 Monate alt war. Sie h\u00e4tten im \u201eKids Go\u201c von mir gelesen, wollten einfach ausprobieren, ob ihnen das hier helfe, weil sie bei vielen anderen Stellen bereits ohne Erfolge Hilfe gesucht h\u00e4tten. 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