{"id":246,"date":"2025-08-24T15:16:13","date_gmt":"2025-08-24T15:16:13","guid":{"rendered":"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/?page_id=246"},"modified":"2025-08-28T13:42:10","modified_gmt":"2025-08-28T13:42:10","slug":"ausgewaehlte-eigene-texte-lernende-grosseltern","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/index.php\/ausgewaehlte-eigene-texte-lernende-grosseltern\/","title":{"rendered":"AUSGEW\u00c4HLTE EIGENE TEXTE"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\" style=\"text-transform:uppercase\">Lernende Gro\u00dfeltern<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>(aus: \u00bbMit Kindern wachsen\u00ab \u2013 Neue Perspektiven &amp; Werte im Leben mit Kindern April 2006)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Gut kenne ich diese Freude auf das erste \u2013 und auf weitere Enkelkinder \u2013 zumal, wenn wir sp\u00fcren, dass wir selbst \u00e4lter werden und dass unsere erwachsenen Kinder nun ihren eige\u00adnen Weg gehen und uns kaum noch zu brauchen scheinen. Da weckt so ein kleiner neuer Mensch gleich Hoffnung \u2013 schon wenn er sein Kommen ank\u00fcndigt. Und dies geschieht um so mehr, wenn unser eigenes Leben und unsere Arbeit oder Arbeitslosigkeit uns unzufrie\u00adden lassen. Da kommen Enkelkinder oft gerade recht: Wir richten dann zuwei!en alle unsere Sehns\u00fcchte zu ihnen hin und \u00bbwollen mehr von ihnen, als sie geben k\u00f6nnen\u00ab (so k\u00fcrzlich eine junge Mutter).<br>\u00a0 \u00a0\u00a0 Solche meist unbewussten miss\u00adbr\u00e4uchlichen W\u00fcnsche wirken auf junge Familien leicht absto\u00dfend. Dies ist besonders der Fall, wenn sich die Gro\u00dfeltern nicht dar\u00fcber im Klaren sind, wie sehr sie in Gefahr sind, brach liegende Energien \u00fcber die Kleinen auszusch\u00fctten.<br>\u00a0 \u00a0\u00a0 Manchmal ist es aber auch anders: Wir haben vielleicht \u2013 nach den Jahrzehnten der Verantwortung f\u00fcr unse\u00adre eigenen Kinder \u2013 gerade damit angefangen, uns weitere Lebenstr\u00e4u\u00adme zu erf\u00fcllen. Dann f\u00fchlen wir uns vielleicht nicht wohl in dem Wissen, dass unsere erwachsenen Kinder jetzt erneut \u2013 auf andere Weise \u2013 unsere Umerst\u00fctzung brauchen. Das trifft vermutlich besonders auf Gro\u00dfeltem zu, die selbst als junge Eltern wenig gro\u00dffamili\u00e4re Hilfe erfahren konn\u00adten. Da gibt es einen verst\u00e4ndlichen und berechtigten ungestillten Hunger auf ein eigenes Leben. Und dieser Hunger konkurriert mit dem eben\u00adfalls verst\u00e4ndlichen und nat\u00fcrlichen Bed\u00fcrfnis der jungen Eltern nach Unterst\u00fctzung. Denn die Aufgabe, ein oder mehrere kleine Kinder gro\u00df\u00adzuziehen, ist f\u00fcr ein junges Paar allein tats\u00e4chlich zu schwer!<br>\u00a0 \u00a0\u00a0 Ich pers\u00f6nlich w\u00fcrde mich mehr in diese zweite Gruppe von Gro\u00dfeltern einordnen. Dennoch habe ich in den inzwischen 20 Jahren meines Gro\u00dfmutter\u00adseins die Er\u00adfahrung ma\u00adchen d\u00fcrfen, dass sich sowohl meine pers\u00f6nlichen als auch die W\u00fcnsche unserer drei Kinderfamilien letztendlich doch ganz gut vereinbaren lassen.<br>\u00a0 \u00a0\u00a0 Aber es kommt m.E. alles darauf an, w i e wir Gro\u00dfeltern die jungen Familien unterst\u00fctzen.<br>\u00a0 \u00a0\u00a0 Als eine \u00e4ltere Frau, die sich beruf\u00adlich regelm\u00e4\u00dfig mit jungen Eltern trifft, m\u00f6chte ich hiermit versuchen aufzuzeigen, welche Art der Hilfe jungen Familien m.E. wirkliche Umerst\u00fctzung bietet. Dabei spreche ich aus meiner Erfahrung \u2013 auch mit den eigenen Kindern und Schwieger\u00adkindern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir leben in einer Gesellschaft, in der \u2013 grundg e set z I i c h festgeschrieben \u2013 junge Eltern mit ihrer Verantwortung fur Babys und Kinder so gut wie v\u00f6l\u00adlig auf sich selbst gestellt sind. Und weil wir es selbst oft genauso erlebt haben, f\u00e4llt uns die Unnat\u00fcrlichkeit dieser Situation in der Regel gar nicht auf. Vergleiche mit anderen Kulturen, z.B. den altostasiatischen, altafrikani\u00adschen oder altindianischen k\u00f6nnen uns dagegen das Groteske dieser unserer kulturellen Situation bewusst machen: \u00bbEs braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind gro\u00dfzuziehen \u2013 und es braucht ein ganzes Dorf, um f\u00fcr die seelische Gesundheit der Eltern zu sorgen\u00ab, beschreibt die Afrikanerin Sobonfu Som\u00e9 in \u00bbKinder in der Gemeinschaft\u00ab die traditionelle Pra\u00adxis in ihrem Heimatdorf in Burkina Faso.<br>&nbsp; &nbsp;&nbsp; Unsere jungen Eltern dagegen, und vor allem die M\u00fctter von sehr kleinen Kindern, leben unter Bedin\u00adgungen, die ein Kollege von mir k\u00fcrzlich mit \u00bbEinzelhaftbedingun\u00adgen\u00ab verglich.<br>&nbsp; &nbsp;&nbsp; Hinzu kommt, dass die S\u00e4uglings-, Bindungs- und Hirnforschung der letzten 20-30 Jahre (die in dieser Zeit sozusagen explodiert sind) unwider\u00adruflich deutlich gemacht haben: Ungeborene und S\u00e4uglinge brauchen zum Aufbau sicherer Bindungen und ihrer Bindungsf\u00e4higkeit \u2013 als den wichtigsten Wurzeln fur das Heran\u00adreifen ihrer Pers\u00f6nlichkeit \u2013 die liebe\u00advolle Beziehung zu mindestens einem, m\u00f6glichst mehreren Erwach\u00adsenen, die absolut verl\u00e4sslich sind. Es ist aber jungen Elteren nur dann m\u00f6glich, ihren Kindern solche Ver\u00adl\u00e4sslichkeit zum Aufbau von Urver\u00adtrauen in die eigene Wahrnehmung, in andere Menschen und die \u00bbWelt\u00ab zu geben, wenn sie selbst ausreichend k\u00f6rperlich und seelisch gen\u00e4hrt sind. D.h. ohne Umerst\u00fctzung k \u00f6 nn e n sie diese unglaublich anspruchsvolle Leistung der Grundsteinlegung f\u00fcr friedfertige und gl\u00fcckliche Charakte\u00adre ihrer Kinder nicht erbringen.<br>&nbsp; &nbsp;&nbsp; Ich m\u00f6chte mit diesem kleinen Text gern auch andere Gro\u00dfeltern ermutigen, ihre Kreativit\u00e4t und Ver\u00adantwortlichkeit dadurch unter Beweis zu stellen, dass sie um ihrer Enkelkinder willen noch einmal anfangen zu lernen. Denn ange\u00adsichts der genannten Forschungser\u00adgebnisse gibt es zwischen den Erziehungsprinzipien unserer, der jetzi\u00adgen Gro\u00dfelterngeneration und denen der jetzigen Eltern enorme Unterschiede, die wir nicht einfach \u00fcbergehen sollten. Denn sie k\u00f6nnen leicht zu Barrieren zwischen den Generationen werden und die Unterst\u00fctzung verhindern. Dann sind beide Seiten frustriert. Und das k\u00f6nnen wir verhindern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was ist zu lernen? M.E.<br>&nbsp; &nbsp;&nbsp; 1. Zuallererst Respekt vor der Rea\u00adlitat: Die jungen Eltern sind nun diejenigen, welche die Verantwor\u00adtung f\u00fcr ihre Kinder tragen und meist auch tragen wollen. Das bedeutet vor allem anderen: Wir m\u00fcssen uns als Gro\u00dfeltern mit unse\u00adren noch so gut gemeinten Ratschl\u00e4\u00adgen zur\u00fcckhalten. \u00bbRatschl\u00e4ge sind Schl\u00e4ge\u00ab, lernte ich einst in einer meiner Ausbildungen. (Manche jun\u00adgen Leute verzichten auf Unterst\u00fct\u00adzung aus Angst vor solchen \u00bbSchl\u00e4gen\u00ab: \u00bbDu denkst, du guckst nur \u00fcber meinen Gartenzaun \u2013 und ich habe das Gef\u00fchl, alle meine Pflanzen dort gehen ein\u00ab, sagte einmal die erwachsene Tochtermutter einer meiner Freundinnen zu ihr.)<br>&nbsp; &nbsp;&nbsp; 2. Unterst\u00fctzung hei\u00dft, \u00bbdie seeli\u00adsche Gesundheit der Eltern zu st\u00e4r\u00adken\u00ab. Ratschl\u00e4ge oder gar Kritik jedoch schw\u00e4chen aber das Selbst\u00adwerterleben und das Vertrauen in die eigene Intuition und schw\u00e4chen die Freude an den Kindern.<br>&nbsp; &nbsp;&nbsp; 3. Wir k\u00f6nnen lernen herauszufin\u00adden, was z.B. die junge Mutter m\u00f6chte. Es ist eine unglaublich hohe emotionale Kompetenz, mich als \u00e4lterer Mensch im Blick auf die Kinder meiner Tochter oder Schwie\u00adgertochter nach ihren Vorstellungen zu richten, mich in all den prakti\u00adschen Dingen unterzuordnen und den Austausch mit ihr \u00fcber prinzi\u00adpielle Fragen davon abh\u00e4ngig zu machen, ob sie dar\u00fcber sprechen m\u00f6chte oder eben gerade nicht. Und wir erlernen diese Kompetenz nicht mit einem Anlauf: Als ich selbst z.B. vor einem guten Jahr zum Helfen in den Haushalt unseres \u00e4ltesten Soh\u00adnes fuhr, wo das 2. und das 3. Kind als Zwillinge geboren waren, gab mein Mann mir mit auf den Weg: \u00bbIch werde ein goldenes K\u00e4stchen bauen und werde deine Zunge darin hier bei uns aufbewahren, w\u00e4hrend du dort bist.\u00ab<br>&nbsp; &nbsp;&nbsp; 4. Vielleicht muss ich dann auch einmal \u00fcber meinen Schatten sprin\u00adgen und meine Tochter oder Schwie\u00adgertochter fragen, wie sie dieses oder jenes Verhalten von mir erlebt hat. Von allein wird sie es nur sehr selten \u00e4u\u00dfern. Denn der Tradition nach haben die jungen Leute zun\u00e4chst auch heute immer noch Hemmun\u00adgen, uns \u00c4ltere zu kritisieren.<br>&nbsp; &nbsp;&nbsp; Aber sogenannte \u00bbKritik\u00ab ist die gro\u00dfe Chance fur uns, nachzuden\u00adken und zu lernen!<br>&nbsp; &nbsp;&nbsp; Freilich erinnere auch ich Situatio\u00adnen, in denen solche R\u00fcckmeldun\u00adgen des eigenen Kindes unangek\u00fcn\u00addigt und in einer solchen Sch\u00e4rfe zu mir kamen, dass in mir jede Freude am Lernen erstarrte. Es kommt wohl in die em komplizierten Terrain zwi\u00adschen Eltern und erwachsenen Kin\u00addern alles auf den Ton an.<br>&nbsp; &nbsp;&nbsp; Die so ganz anderen Lebensbedin\u00adgungen zu verstehen und zu w\u00fcrdi\u00adgen, unter denen wir Alten selbst Kinder \u2013 und dann sp\u00e4ter junge Eltem waren, das k\u00f6nnen wir von den J\u00fcngeren m.E. nicht erwarten. Aber wir k\u00f6nnen und sollten uns selbst diese W\u00fcrdigung geben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die gro\u00dfe Chance des Gro\u00dfeitern\u00adwerdens ist es m.E. in der heutigen Zeit, die Trauer zu sp\u00fcren, die in uns ber\u00fchrt wird, wenn wir merken, dass es anders m\u00f6glich ist, als wir es selbst in unserer Kindheit erlebt haben, und auch, als wir selbst es mit unse\u00adren Kindern \u00bbgemacht\u00ab haben: Wir haben es so gut \u00bbgemacht\u00ab, wie wir es zu der damaligen Zeit konnten und wussten. Das gilt!!! Und Trauerarbeit bedeutet auch, mit uns selbst gut zu sein, obwohl es so war!!!<br>&nbsp; &nbsp;&nbsp; Wer in diese Richtung weiter ler\u00adnen m\u00f6chte, dem empfehle ich unter vielem anderen die Lekt\u00fcre von: D. J. Siegel u. M. Hartzell:\u00bbGemeinsam leben, gemeinsam wachsen \u2013 Wie wir uns selbst besser verstehen und unsere Kinder ein\u00adf\u00fchlsam ins Leben begleiten k\u00f6n\u00adnen\u00ab. (Arbor Vlg. 2004.)<br>&nbsp; &nbsp;&nbsp; Nach dem, was ich seit 7 Jahren regeim\u00e4\u00dfig h\u00f6re, sehnt sich die Mehrheit der jungen M\u00fctter danach, mehr, aber feinf\u00fchlige Unterst\u00fctzung von ihren Eltern zu bekommen.<br>&nbsp; &nbsp;&nbsp; Was sie aber \u00fcberhaupt nicht gebrauchen k\u00f6nnen ist, wenn die Kleinen den jungen M\u00fcttern f\u00fcr unerf\u00fcllte emotionale Defizite der Gro\u00dfeltern (statt diese zu betrauern) einfach weggenommen, wenn sie z.B. ohne Zustimmung von Eltern und Kind!! herumgereicht, zu K\u00f6r\u00adperkontakt gezwungen oder auf andere Weise als W\u00e4rmflasche benutzt werden. Auf solche Art von ihren Gro\u00dfeltem \u00bbgebrauchte\u00ab Kin\u00adder werden diese wohl sp\u00e4ter nie\u00admals wirklich lieben k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Liebe AlterskameradInnen,<br>bis ins hohe Alter hinein lernen zu k\u00f6nnen, ist eine der sch\u00f6nsten F\u00e4higkeiten, die uns Menschen gegeben sind. Ich w\u00fcnsche Ihnen viele neue Entdeckungen dabei!<br><br><br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/index.php\/ausgewaehlte-eigene-texte-lernende-grosseltern\/\">zum Seitenanfang<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br><a href=\"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/index.php\/ausgewaehlte-eigene-texte-uebersicht\/\">zur \u00dcbersicht<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lernende Gro\u00dfeltern (aus: \u00bbMit Kindern wachsen\u00ab \u2013 Neue Perspektiven &amp; Werte im Leben mit Kindern April 2006) Gut kenne ich diese Freude auf das erste \u2013 und auf weitere Enkelkinder \u2013 zumal, wenn wir sp\u00fcren, dass wir selbst \u00e4lter werden und dass unsere erwachsenen Kinder nun ihren eige\u00adnen Weg gehen und uns kaum noch zu [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-246","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/246","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=246"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/246\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":509,"href":"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/246\/revisions\/509"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=246"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}