{"id":248,"date":"2025-08-24T15:17:47","date_gmt":"2025-08-24T15:17:47","guid":{"rendered":"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/?page_id=248"},"modified":"2025-09-18T11:28:21","modified_gmt":"2025-09-18T11:28:21","slug":"ausgewaehlte-eigene-texte-redebeitrag-waehrend-des-fachtages-des-netzwerkes-rund-um-die-geburt","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/index.php\/ausgewaehlte-eigene-texte-redebeitrag-waehrend-des-fachtages-des-netzwerkes-rund-um-die-geburt\/","title":{"rendered":"AUSGEW\u00c4HLTE EIGENE TEXTE"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\" style=\"text-transform:uppercase\">Redebeitrag w\u00e4hrend des Fachtages des \u201eNetzwerkes rund um die Geburt\u201c<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>im Bezirk Berlin-Marzahn-Hellersdorf und des Vivantes Klinikum Hellersdorf am 16. Mail 2014 unter dem Thema\u00a0<strong>\u201eRisikofaktoren f\u00fcr die pr\u00e4-, peri- und postnatale Bindungsentwicklung und m\u00f6gliche Interventionen\u201c<\/strong>:<strong><br><br>I. Die pr\u00e4- peri und postnatale und K\u00f6rperpsychotherapie<\/strong><br>hat sich in den letzten Jahrzehnten an verschiedenen Orten Europas und der USA unabh\u00e4ngig voneinander \u2013 entwickelt (z. B. Ray Castellino in den USA, William Emmerson und Claire Dolby in England, Jen\u00f6 Raffay und Gy\u00f6rgy Hidas in Ungarn, Klaus K\u00e4ppeli und Christian Meyer in der Schweiz, Thomas Harms, Regina B\u00fccher, Claudia K\u00f6hler u.a. in Deutschland &#8230;). Vor allem\u00a0<strong>durch die bildgebenden Verfahren<\/strong>\u00a0hatte man in den 70er Jahren begonnen wahrzunehmen, dass die un- und die neugeborenen Kinder bereits kompetente Pers\u00f6nlichkeiten sind. Wir alle haben schon in der Schwangerschaft, bei der Geburt und danach sehr sensibel empfunden und erlebt, was uns geschehen ist, auch wenn es nur in unserem K\u00f6rper als Erinnerung gespeichert ist. Bis dahin sah man in den kleinen Menschen bekanntlich mehr oder weniger gef\u00fchllose Wesen, die man ohne Narkose operierte. Man glaubte, sie f\u00fchlen keinen Schmerz.<br>Ich selbst habe aus pers\u00f6nlicher Betroffenheit heraus erst in den 90-er Jahren Ber\u00fchrung mit dieser Arbeit bekommen. Nach einer Weiterbildung bei Thomas Harms in \u201eemotioneller erster Hilfe\u201c (siehe <a href=\"http:\/\/www.zepp-bremen.de\/\">www.zepp-bremen.de<\/a>) und nach meiner &#8211; feinf\u00fchlig begleiteten Trauer \u00fcber meine eigene fr\u00fche Geschichte &#8211; biete ich seit 1999 eine Sprechstunde f\u00fcr unruhige Babys hier im Stadtbezirk an, auch \u201eSchreibabyambulanz\u201c genannt. Von 2003-2005 habe ich dann bei der Ray Castellino-Assistentin Claudia K\u00f6hler in Dresden, die in diesem Haus auch auf einem unserer Fachtage referierte (vgl. www.lebens-wandel.net) und Claire Dolby eine zweij\u00e4hrigen Weiterbildung in \u201epr\u00e4-perinataler K\u00f6rpertherapie\u201c genossen \u2013 mit weiteren Schritten im pers\u00f6nlichen Annehmen meiner eigenen Geschichte.<br>Dabei durfte ich lernen, f\u00fcr meist traumatisierte Kinder und ihre Eltern zun\u00e4chst eine emotional m\u00f6glichst\u00a0<strong>sichere, von jeglicher Bewertung freie zwischenmenschliche Umgebung\u00a0<\/strong>herzustellen. Denn nur im Erleben von Sicherheit k\u00f6nnen sich die aus dem Inneren der kleinen und gro\u00dfen K\u00f6rper heraus von selbst entstehenden Bewegungen, die Erinnerungen an die beschriebenen\u00a0<strong>Traumata aus dieser fr\u00fchen Zeit<\/strong>, kann sich\u00a0<strong>das implizite Ged\u00e4chtnis\u00a0<\/strong>zeigen.<br>Wenn das Kind es \u201eerlaubt\u201c, d.h., wenn es mit seinen Bewegungen, seiner Stimme, seinen Augen und seiner Mimik k e i n e Ablehnung zeigt, begleite ich die entstehenden Bewegungen mit meinen H\u00e4nden und mit Worten, die benennen, was ich gerade sehe und mit-erlebe.\u00a0<br>In meiner Arbeitsweise verbinde ich die Erfahrungen aus der \u201eEmotionellen ersten Hilfe\u201c mit dieser K\u00f6perpsychotherapie, je nach dem,\u00a0<strong>was diese Familie gerade erbittet, wenn sie sich zum Kommen entschlossen hat, und: &#8211; was sie gerade in dieser Situation annehmen k a n n !!<br><\/strong>&#8212;- Video-Scene: der 7-Monate-alte Severin, seine Mama und Klaus K\u00e4ppeli aus seiner DVD der Reihe \u201eDu bist einzigartig\u201c Teil II: \u201eDie Kaiserschnittgeburt im Erleben des Kindes\u201c 2:16 ff &#8212;<br>Die Schreibaby-beraterInnen in Deutschland, \u00d6sterreich und der Schweiz, die entweder bei Thomas Harms oder bei Paula Diederichs weitergebildet wurden, nennen sich nicht TherapeutInnen, sondern \u201eKrisenbegleiterInnen\u201c &#8211; . Vielleicht w\u00fcrden sie keine halbe Stunde lang das Weinen eines so kleinen Kindes begleiten k\u00f6nnen, ohne einzugreifen \u2013 wie es Klaus K\u00e4ppeli hier berichtet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>II.<\/strong>\u00a0Bevor ich meine Arbeit genauer beschreibe, m\u00f6chte ich ganz kurz die Forschungs- und Erfahrungs-zweige wenigsten nennen, die es m. E. erm\u00f6glicht haben, unsere kleinen Kinder besser zu verstehen. Ich halte die genannte Wende im Verstehen ihrer Ausdruckssprache f\u00fcr ein Ergebnis historisch gesehen, relativ neuer Sichtweisen und vieler Forschungszweige. Diese m\u00f6chte ich in Folgendem nennen, auch, um deutlich zu machen, wie viel M\u00fchen es brauchte, um unsere Kleinen besser zu verstehen. Es sind f\u00fcr meine Wahrnehmung neben den bildgebenden Verfahren vor allem.<strong><br>II.1)\u00a0<\/strong>die sich immer weiter durchsetzende Erkenntnis, dass eine in unserer Kultur tradierte, &#8211; meiner Generation noch in unser Unbewusstes eingepflanzte, angebliche\u00a0<strong>Trennung von K\u00f6rper und \u201eGeist\u201c, Soma und Psyche, Medizin und Psychologie\u00a0<\/strong>nicht der Realit\u00e4t entspricht.<br>(Dem Rechnung tragend formierte sich die \u201e<strong>Internationale Studiengesellschaft f\u00fcr pr\u00e4- perinatale Psychologie und Medizin\u201c ISPPM\u00a0<\/strong>mit ihrer\u00a0<strong>\u201eInternationalen Zeitschrift f\u00fcr Pr\u00e4natale- und Perinatale Medizin und Psychologie\u201c.<\/strong>\u00a0Bezeichnenderweise gr\u00fcndete sich\u00a0<strong>1971<\/strong>\u00a0zun\u00e4chst die \u201eInternationale Studiengesellschaft f\u00fcr pr\u00e4natale und perinatale Psychologie\u201c\u00a0<strong>ISPP<\/strong>. Die Psychoneuroendokrinologie erwies sich dann als Bindeglied zwischen Medizin und Psychologie, sodass die Umbenennung in den jetzigen Namen 1986 erfolgen konnte. Deutsche darin sind z. B. : Ludwig Janus, Bettina Alberti, Inge Krens, Barbara Jakel, Helga Blazy, Rupert Linder, Sven Hildebrandt, aus anderen L\u00e4ndern die bereits Genannten und viele, viele mehr),<strong><br>II.2.<\/strong>) die bereits nach dem 1. Weltkrieg entstandene und nach dem Vietnamkrieg aufbl\u00fchende\u00a0<strong>Traumaforschung<\/strong>\u00a0(z. B. Peter Levine und Babette Rotschild ), mit ihrer hilfreichen Unterscheidung von\u00a0\u00a0<strong>implizitem- oder K\u00f6rperged\u00e4chtnis,\u00a0<\/strong>welches u.a. unsere\u00a0<strong>unbewussten Erfahrungen aus der Schwangerschaft und den ersten beiden Lebensjahren<\/strong>\u00a0speichert, und dem\u00a0<strong>expliziten- oder biographischen Ged\u00e4chtnis<\/strong>, aus welchem wir diejenigen Erfahrungen abrufen k\u00f6nnen, an die wir uns\u00a0<strong>bewusst erinnern. Das Wahrnehmen der K\u00f6rpersignale, die aus dem impliziten- oder K\u00f6rperged\u00e4chtnis kommen, ist f\u00fcr unsere Arbeit mit Menschen an ihren vor- nach- und geburtlichen Traumata von herausragender Bedeutung<\/strong>\u00a0-,<strong><br>II.3<\/strong>.) die Entwicklung der\u00a0\u00a0<strong>Cranio-Sakral-Therapie\u00a0<\/strong>aus der Osteopathie heraus, die Sascha Rieck gerade dargestellt hat, und durch deren Einsatz wir im Kontakt mit dem Kind zentrale Bereiche des Zentralen Nervensystems, besonders das Cranium, den Kopf und das Sakrum, das Ende der Wirbels\u00e4ule unterst\u00fctzend ber\u00fchren k\u00f6nnen, wenn das Kind es zul\u00e4sst (vgl. z.B. William G. Sutherland, John E. Upledger, Franklyn Stills, Rollin E. Becker, Ramraj L\u00f6we und viele andere),<strong><br>II.4<\/strong>.) die Entstehung der\u00a0<strong>K\u00f6rperpsychotherapie\u00a0<\/strong>durch den Sigmund Freud-Sch\u00fcler Wilhelm Reich, seine Tochter Eva und alle, die ihr k\u00f6rperpsychotherapeutisches Arbeiten aus deren bahnbrechenden Erkenntnissen entwickelten (z. B. Alexander Lowen, Gerda Boyesen, Hilarion Petzold, Ilse Middendorf, Will Davis, Thomas Harms und viele andere): Durch Ber\u00fchrungen im Einverst\u00e4ndnis k\u00f6nnen wir einem Menschen oft \u00e4hnliche Unterst\u00fctzung geben wie durch Worte, manchmal noch hilfreichere. Aber es ist dabei entscheidend, dass wir das jeweilige K\u00f6rpererleben dieses Kindes oder dieses Elternteils zuvor gut erforschen und respektieren. (vgl. Severins Bewegung des rechten F\u00fc\u00dfchens -) F\u00fcr traumatisierte Menschen ist oft schon die leiseste Ber\u00fchrung ein \u00dcbergriff &#8212; und wird dann eine Retraumatisierung,<strong><br>II<\/strong>.<strong>5<\/strong>) die -, die vorgeburtlichen Menschen bestaunende\u00a0<strong>Morphologie\u00a0<\/strong>(z. B. der anatomische Atlas von Johannes Rohen, die Ver\u00f6ffentlichungen von E. Blechschmidt und die des Niederl\u00e4nders Jaap van der Wal, www.walembryo.de ). Sie versucht,\u00a0<strong>die Bedeutung der Gesten und Bewegungen zu verstehen,\u00a0<\/strong>welche sich in den verschiedenen Stadien der Entwicklung unserer K\u00f6rper und Organe in der Schwangerschaft zeigen, oder etwa den v\u00f6llig gegens\u00e4tzlichen Habitus der m\u00e4nnlichen und weiblichen Geschlechtszellen vor ihrer Vereinigung -,<strong><br>II.6<\/strong>.) die\u00a0<strong>Zellforschung<\/strong>\u00a0(z. B. Bruce H. Lipton, die von ihm in \u201eIntelligente Zellen \u2013 Wie Erfahrungen unsere Gene steuern\u201c KOHA-vgl. 2007 genannten Quellen und J. Upledger). Lipton beschreibt u.a. seine grundlegende Entdeckung, dass sich Zellen in unterschiedlichen Milieus ganz unterschiedlich entwickeln, also nicht genetisch festgelegt sind,<strong><br>II.7.)<\/strong>\u00a0die Entdeckung der Drei-, &#8211; nicht Zweigliedrigkeit unseres autonomen Nervensystems, den entwicklungsgeschichtlich \u201ealten\u201c und den \u201eneuen\u201c Zweig des Vagusnervs\/des Parasympathikus durch Stephen Porges: Der \u201ealte\u201c Vagus l\u00e4sst uns in f\u00fcr uns zu gro\u00dfer Gefahr erstarren, der \u201eneue\u201c l\u00e4sst uns \u2013 wenn wir uns sicher f\u00fchlen -, in Ruhe kommunizieren und darin gl\u00fccklich werden,<br><strong>II.8)<\/strong> die spektakul\u00e4ren Ergebnisse der Hirnforschung etwa im Blick auf unsere Bindungs- und Kontaktbed\u00fcrfnisse, (besonders Gerald H\u00fcther, Joachim Bauer, Thomas Fuchs und Ralf Dawirs). Sie bezeichnen unser Gehirn als \u201eBindungsorgan\u201c,<br><strong>II.9.)<\/strong> und schlie\u00dflich die inzwischen fast un\u00fcberschaubar gewordene Bindungsforschung seit John Bowlby, deren Ergebnisse f\u00fcr meine Wahrnehmung auf der ganzen Linie von der Hirnforschung best\u00e4tigt werden. Sie ist inzwischen so bekannt, dass ich sie hier m.E. nicht darstellen muss (Vgl. u.a. www.bindungswissenschaften.de und dortige Verweise).<strong><br><br>III<\/strong>. Wie arbeiten wir nun in dieser K\u00f6rperpsychotherapie ganz konkret?<br>Wenn ich von \u201ewir\u201c spreche, meine ich meine Lehrer_Innen Ray Castellino, Claudia K\u00f6hler, Claire Dolby, Klaus K\u00e4ppeli, Christian Meyer und die von ihnen weitergebildeten KollegInnen.<strong><br>III.1.<\/strong>) Wenn so ein kleiner Mensch zusammen mit seinen Eltern zu uns kommt, haben wir in der Regel schon zuvor\u00a0<strong>am Telefon &#8211; ohne das Kind &#8211; seine Geschichte\u00a0<\/strong>und m\u00f6glichst auch die seiner Eltern so gut wie m\u00f6glich\u00a0<strong>erfragt.\u00a0<\/strong>So haben wir schon einen Eindruck von eventuellen Belastungen in der Zeugungsphase, w\u00e4hrend der Schwangerschaft, unter der Geburt und danach, die in Kind und Eltern nachwirken und von der Art und Weise, wie d i e s e Mutter und d i e s e r Vater damit umgehen. (Erwachsene, welche in die Selbsterfahungsseminare kommen, f\u00fcllen einen detaillierten Fragebogen zur eigenen fr\u00fchen Geschichte aus.) Es ist f\u00fcr den Elternteil, mit dem wir telefonieren, oft schon eine Entlastung, wenn ein Mensch ihnen interessiert, verst\u00e4ndnisvoll und mit genug Zeit zuh\u00f6rt und die Geschichte des Kindes, &#8211; oft auch die der Familie interessiert erfragt. K\u00fcrzlich sagte eine Mutter: \u201e<em>So genau hat noch nie jemand die Geschichte des Kindes wissen wollen\u201c.<\/em><strong><br>III.2<\/strong>.) Bei der\u00a0<strong>ersten pers\u00f6nlichen Begegnung<\/strong>\u00a0ist es dann entscheidend, ob wir es schaffen, den\u00a0<strong>emotional sichergesch\u00fctzten Raum<\/strong>\u00a0herzustellen f\u00fcr das Kind, den Vater, die Mutter und evtl. andere Mitkommende, sodass alle Anwesenden ohne Angst sein k\u00f6nnen, &#8211; etwa davor, be- oder verurteilt zu werden!<br>&#8212;- Wir folgen dann gemeinsam dem, was das Kind uns mit seiner Stimme, seiner Mimik und seinen Bewegungen zeigt, sprechen aus, was wir wahrnehmen (\u201espiegeln\u201c das Kind &#8212;), helfen ihm mit Worten, zwischen h e u t e und dem d a m a l s Erlebten &#8211; , zwischen den elterlichen und den eigenen Gef\u00fchlen und Wahrnehmungen zu unterscheiden (zu \u201ed i f f e r e n z i e r e n\u201c).<strong>\u00a0Die Kinder verstehen uns nicht auf der intellektuellen -, aber auf einer intentionalen, intuitiven, sinnlichen Ebene:<\/strong>\u00a0Sie lesen in unserem Gesicht und in unserer Stimme und k\u00f6nnen offenbar unsere Glaubw\u00fcrdigkeit erfassen. Sie haben es vorhin an dem Blick von Severin gesehen -, wie er den Worten von Klaus aufmerksam lauscht. Wir sehen diesen Hunger nach stimmigen Worten z. B. an ihren Augen, ihrem Innehalten der Bewegungen und ihrem Gesichtsausdruck. Wir\u00a0<strong>geben den Erwachsenen damit ein Modell<\/strong>, das Kind als kompetente Pers\u00f6nlichkeit ernst &#8211; und so wahrzunehmen, wie es geworden ist &#8211; mit dieser seiner Geschichte. K\u00fcrzlich hatte sich das Verhalten eines einj\u00e4hrigen Kindes schon nach einer Sitzung deutlich ver\u00e4ndert &#8211; \u201enur\u201c dadurch, dass die Eltern viel mehr mit dem Kind sprachen als zuvor.<br>&#8212;- Wir finden mit den kleinen und gro\u00dfen Menschen zusammen heraus, was ihnen in schwierigen Situationen\u00a0<strong>Kraft gibt, erforschen gemeinsam ihre Ressourcen \u2013 auch, damit wir uns in\u00a0heftig werdenden Situationen mit ihnen verbinden k\u00f6nnen.<\/strong>\u00a0Das ist bekanntlich bei jedem Menschen \u2013 oft auch in verschiedenen Situationen etwas Anderes. Vielleicht denken Sie gerade einmal kurz dar\u00fcber nach, was Ihnen im Alltag Kraft gibt &#8211; &#8211; -. Bei den Babys ist es oft eine bestimmte Ber\u00fchrung oder Weise, von einer vertrauten Person gehalten, angeschaut oder angesprochen zu werden. Sind beide Eltern anwesend, so ermutigen wir sie, schon jetzt w\u00e4hrend unserer Sitzung m\u00f6glichst oft miteinander kurzen, liebevollen Augenkontakt zu machen. Es kommt dabei zur Aussch\u00fcttung des \u201eLiebeshormons\u201c Oxytocin &#8211; unseren \u00dcbungserfahrungen nach auch beim Kind.<br>&#8212;- Wir leiten die Eltern an,\u00a0<strong>ihre\/unsere Aufmerksamkeit<\/strong>\u00a0immer wieder vom Kind wegzunehmen und auf den eigenen K\u00f6rper zu richten. Das entlastet die Kinder ungeheuer. Je entspannter und gelassener die Eltern sind, umso besser f\u00fchlt sich das Kind. (gegebenenfalls \u00dcbung von Ray Castellino zu dritt:<br>a.) \u201cVater\u201c und \u201eMutter\u201c schauen auf das \u201eKind\u201c > wie f\u00fchlt dieses sich? &#8211;<br>b.) \u201eVater\u201c und \u201eMutter\u201c schauen einander an > wie f\u00fchlt sich das Kind?<br>c.) \u201eVater\u201c und \u201eMutter\u201c schauen irgendwo in die Gegend > wie f\u00fchlt sich das \u201eKind\u201c?<br>&#8212;- Und wir passen uns m\u00f6glichst in unserem eigenen\u00a0<em><strong>Tempo,\u00a0<\/strong><\/em>unserem Sprechen und unseren Bewegungen dem Tempo des Babys an, d.h. werden v i e l langsamer, als wir es sonst sind! Das f\u00e4llt mir aufgrund meiner eigenen Geschichte &#8211; nicht immer leicht&#8212;.<strong><br>III.3.)\u00a0<\/strong>Das alles geschieht\u00a0<strong>anders, wenn das Kind bereits beim Kommen weint\u00a0<\/strong>(Das ist die genannte Situation einer Krisenintervention). Auch in einem solchen Fall leiten wir die Eltern an, mit ihrer Aufmerksamkeit nicht nur beim Kind zu sein, sondern zugleich in den eigenen K\u00f6rper hineinzuhorchen, den Atem zu vertiefen, die eigenen F\u00fc\u00dfe auf dem Boden, den R\u00fccken an der Lehne zu sp\u00fcren und gegebenenfalls unsere oder die Hand des Partners\/der Partnerin etwa auf einer Schulter oder am R\u00fccken zuzulassen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell sich ein Baby selbst reguliert \u2013 oft schon dann aufh\u00f6rt zu weinen, wenn die Kontaktpersonen sich entspannen. Freilich: sich selbst und z u g l e i c h das Baby wahrzunehmen, ist eine Art Kunst und verlangt \u00dcbung. &#8211;<br>Und so lernen die Eltern, ihren Kindern zuzuh\u00f6ren -, ja, &#8211; ihnen das auch mit ehrlichem Herzen sagen zu k\u00f6nnen, etwa so: \u201egut, dass Du Dich ausweinst, ich h\u00f6re Dir zu, lass alles \u00b4raus &#8212;- es ist vorbei!\u201c Und die Eltern lernen, das Weinen der Kinder nicht mehr \u201eSchreien\u201c oder \u201eBr\u00fcllen\u201c zu nennen.<strong>\u00a0<\/strong><br><strong>III.4.)<\/strong>\u00a0Wenn wir schon von schwerwiegenden Belastungen in der Geschichte des Kindes geh\u00f6rt hatten, den Eindruck bekamen, dass die Eltern \u00fcberfordert waren, dann auch dazu passend Spannungen im kindlichen K\u00f6rper, &#8211; eckige, schlagende, schnelle Bewegungen und Unruhe wahrnehmen (wie bei Severin&#8212;), Schmerz oder Sorge in seinem Gesicht und in seiner Stimme -, dann bereiten wir die Eltern m\u00f6glichst bald darauf vor, dass ihr Kind mit seinen Bewegungen nachholend \u2013 vielleicht sehr Heftiges von seiner Geburt oder aus der Schwangerschaft zeigen k\u00f6nnte. Und wir holen uns ihr Einverst\u00e4ndnis dazu ein, diese Prozesse zulassen -, begleiten zu d\u00fcrfen und das Kind nicht mit dem Nucki oder mit Schaukeln von seinem Bewegungssausdruck abzulenken. Wir haben im Idealfall schon mit ihnen \u00fcber ihre Kraftquellen gesprochen und das tiefe Atmen sowie die Aufmerksamkeit f\u00fcr den eigenen K\u00f6rper ge\u00fcbt. So k\u00f6nnen wir sie w\u00e4hrend eines starken Gef\u00fchlsausbruchs des Kindes immer wieder daran erinnern (30 Minuten lang weinte Severin sehr heftig!). Und es kann es uns allen besser gelingen, uns selbst beim Begleiten des oft w\u00fctenden, verzweifelten, klagenden oder j\u00e4mmerlichen Weinens nicht von unseren eigenen Gef\u00fchlen und unserer K\u00f6rperwahrnehmung abzuspalten (zu \u201ed i s s o z i i e r e n\u201c).<strong>\u00a0<\/strong><br><strong>III.5<\/strong>\u00a0Sie alle haben vermutlich schon erlebt, wie sich Babys beim Anlegen zum Stillen oder im Tragetuch nach hinten biegen und sich von Mamas K\u00f6rper absto\u00dfen. Das Kind will uns dann \u2013 so unser Verst\u00e4ndnis -mit seinen Bewegungen seine Geschichte erz\u00e4hlen. (Leider erleben die M\u00fctter das oft als Ablehnung durch das Kind oder auch als Trotz. Sie k\u00f6nnen in solchen Momenten das Kind nicht als hilfesuchendes Wesen sehen, sondern projizieren ihre eigenen Bezugspersonen in das Kind hinein.) Ray Castellino vergleicht das Bed\u00fcrfnis der Kinder, vor dem Trinken ihre Geschichte zu zeigen, mit unserem Bed\u00fcrfnis, nach einem bewegenden Erlebnis und v o r einer Mahlzeit von unseren Erlebnissen zu erz\u00e4hlen, erst dann essen zu k\u00f6nnen.)Das Kind erz\u00e4hlt etwa,<br>&#8211; wie es sich im Bauch von Mama gef\u00fchlt hat,<br>&#8211; dass es dort be\u00e4ngstigend war, als Mama so viel Stress hatte oder traurig war, vielleicht geraucht, Alkohol getrunken oder Drogen genommen hat,<br>&#8211; wie es war, als sie einen diagnostischen Befund bekam, der sie mit Angst erf\u00fcllte,<br>&#8211; als es immer und immer wieder durch den Ultraschall gest\u00f6rt wurde,<br>&#8211; als Mama meinte, die Schmerzen unter der Geburt nicht mehr aushalten zu k\u00f6nnen und innerlich weg war, es sich sehr verlassen f\u00fchlte- &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; .<strong><br>Die Bewegungen des Kindes zeigen uns, was es erlebt hat,\u00a0<\/strong>&#8211; oft in einer Abfolge von Beugung und Streckung &#8211; wie im Geburtsprozess &#8211; und in der Hin und Her-Suche des K\u00f6pfchens nach der besten M\u00f6glichkeit, &#8211; an den Knochen der Mama vorbei hinaus aus ihrem K\u00f6rper \u2013 und dann \u00fcber ihren Bauch zu ihrer Brust zu kommen. Vater, Mutter oder wir geben dann den F\u00fc\u00dfchen die M\u00f6glichkeit, sich abzusto\u00dfen, manchmal auch dem K\u00f6pfchen eine Ber\u00fchrungsfl\u00e4che, welche f\u00fcr das K\u00f6rperged\u00e4chtnis den Beckenausgang der Mutter bedeutet \u2013 oft begleiten wir das Liquorsystem des Kindes mit unseren H\u00e4nden an Hinterkopf und Stei\u00dfbein, \u00e4hnlich wie es Klaus K\u00e4ppeli bei Severin tat.\u00a0<strong>Wir initiieren von uns aus keinerlei Bewegung von au\u00dfen!!!!<\/strong>, folgen nur dem, was der kleine K\u00f6rper von sich aus tut und uns zeigen will, sich nach Verstehen sehnend.<br>Ich erinnere mich an\u00a0<strong>ein Kaiserschnitt-Kind, das in dieser seiner Bewegung auf dem Arm der Mutter sein K\u00f6pfchen f\u00fcr etwa 3 Minuten ganz still nach unten hielt. Es schien uns, als gen\u00f6sse es dies \u2013. Es konnte endlich die Bewegung machen, die es eigentlich bei seiner Geburt machen wollte.<\/strong>\u00a0Andere Kinder zeigen mit ihrem kleinen K\u00f6per\u00a0<strong>Verzweiflung, Wut oder gro\u00dfe Angst oder Verzweiflung, die sie erlebt haben.<br>III.6.)\u00a0<\/strong>Wir begleiten, \u2013 m\u00f6glichst die Eltern selbst &#8211; das Geschehen mit optimal glaubw\u00fcrdigen Worten im Sinne von\u00a0<strong>Zeugenschaft<\/strong>, &#8211; auch, wenn wir das wirkliche Erleben des Kindes in Schwangerschaft, Geburt und danach nur ahnen, etwa so:\u00a0<em>Ja, so wolltest Du es machen &#8212;-, soo schwer war es &#8212;, so viel\u00a0<strong>Angst<\/strong>\u00a0hattest Du &#8212;, soo\u00a0<strong>w\u00fctend\u00a0<\/strong>bist Du gewesen und bist es immer noch &#8212;, ich sehe und h\u00f6re Deinen\u00a0<strong>\u00c4rger\u00a0<\/strong>&#8212;-, Deine\u00a0<strong>Verzweiflung<\/strong><\/em>\u00a0&#8212;,\u00a0<em>Deinen\u00a0<strong>Kummer<\/strong>\u00a0&#8212;, ich sp\u00fcre in\u00a0<strong>m e i n e m<\/strong>\u00a0K\u00f6rper\u00a0\u00a0<strong>D e i n e\u00a0Angst,<\/strong>\u00a0Deine\u00a0<strong>Trauer,<\/strong>\u00a0Deine\u00a0<strong>Wut<\/strong>\u00a0&#8212;- &#8212;&#8211; ,\u00a0<\/em>u.\u00e4. Und dann das soo Wichtige:\u00a0<em><strong>Aber es ist vorbei!!! Jetzt ist es anders -, jetzt kannst Du bestimmen, was geschieht. Und wir unterst\u00fctzen Deinen eigenen Weg!<\/strong><\/em><br>Wir \u201e<strong>spiegeln\u201c<\/strong>\u00a0mit unseren Worten, was wir sehen und erleben. Dann kann das Kind sich selbst ernst nehmen und f\u00fchlt sich sicher, das entscheidende Kriterium f\u00fcr die Erm\u00f6glichung sozialer Kontakte! &#8211; Nach allgemein psychotherapeutischer Erfahrung ist diese Zeugenschaft das eigentlich Heilende:\u00a0<strong>Wenn ein einziger Mensch wahr- und ernst nimmt, was ich erlebt habe, was ich in meinem K\u00f6rper und emotional sp\u00fcre, dann kann auch ich es selbst ernst nehmen und als Teil meiner Geschichte in mein Selbstbild,\u00a0<\/strong>mein autobiographisches, explizites Ged\u00e4chtnis\u00a0<strong>integrieren.\u00a0<\/strong>Das ist \u201eHeilen auf der Hirnstammebene\u201c. F\u00fcr Eltern, welche diese Prozesse zum ersten Mal erleben, sind sie oft schwer zu ertragen. Eine Familie bezeichnete unserer Arbeit k\u00fcrzlich als \u201eexotisch\u201c. Sie wollen manchmal das schmerzliche Geschehen lieber vergessen, als daran erinnert zu werden. Aber auch sie werden nach einem solchen Prozess in der Regel belohnt von begl\u00fcckend entspannten Kindern, die uns \u2013 so ist es immer wieder meine Wahrnehmung \u2013 dankbarst anschauen, oft als seien sie auf einem anderen Stern &#8211; oder die in einen sehr tiefen Schlaf fallen. Ich h\u00f6re dann zuweilen: \u201eFrau Priese, wir haben ein anderes Kind! <br><strong>III.7.)<\/strong>\u00a0Oft geht es nicht nur allein um das Kind. Dann werden die ungel\u00f6sten Traumata der Eltern, besonders der M\u00fctter als Teil der Probleme des Kindes deutlich und das \u201eDifferenzieren\u201c zwischen den Gef\u00fchlen der Eltern und denen des Kindes wird ganz wichtig: \u201eDas ist Mamas Problem, daf\u00fcr bist Du nicht verantwortlich! Das macht Mama allein&#8230;\u201c. Ich denke z. B. an M\u00fctter mit einem Bindungstrauma, wie Leonore Schicktanz es vorhin in der Kreis-graphik von Franz Ruppert dargestellt hat. \u2013 Diese Eltern haben oft gro\u00dfe Schwierigkeiten mit K\u00f6rperkontakt, weil sie ihn selbst als Babys und Kleinkinder nicht erlebt haben. Ich rechne &#8211; \u00fcber eine lange Zeit meines Lebens \u2013 mich selbst dazu. Die Nazip\u00e4dagogik pr\u00e4gte auch viele b\u00fcrgerliche Familien durch k\u00f6rperliche Distanz. Meine Mutter sagte einmal, als ich sie auf den fehlenden K\u00f6rperkontakt in unserer Familie hin ansprach: \u201ebei uns ist das nicht so\u201c&#8212;. Eine von diesen M\u00fcttern erz\u00e4hlte k\u00fcrzlich: \u201eIch sitze immer mit angezogenen Beinen, bis ich merke, dass sie wehtun. Meine F\u00fc\u00dfe auf den Boden zu stellen, ist so anstrengend, so ungewohnt\u201c. Nat\u00fcrlich w\u00fcrde diesen M\u00fcttern und ihren Kindern eine ausf\u00fchrliche K\u00f6rper-Psychotherapie helfen. Einige sind dazu auch bereit und sie nehmen ihr Kind und die Babyzeit als eine Chance, auch die eigene Geschichte anzuschauen, zu betrauern und dadurch zu heilen. Kinder gerade solcher Familien sind zum Gl\u00fcck unglaublich erfinderisch, sich die eigenen Bed\u00fcrfnisse zu erf\u00fcllen. So nahm das Kind der gerade zitierten Mutter nachts die Hand des schlafenden Vaters und lie\u00df diese sich streicheln!<br><strong>IV<\/strong>. Oft haben die Eltern, ehe sie zu uns kommen, schon viele gescheiterte Versuche hinter sich, das Leid ihres Kindes und ihrer Familie zu lindern.<br>Deshalb hoffe ich,<br>&#8211; dass diese fr\u00fchen Traumatisierungen bald von genug Menschen verstanden werden und sie ausgebildet sein werden, auch die eigene fr\u00fche Geschichte anzusehen und anzunehmen,<br>&#8211; dass bald a l l e Eltern in die Sprache der Babys eingef\u00fchrt werden und ihren Ausdruck heilend begleiten k\u00f6nnen und<br>&#8211; dass dann weitaus weniger gr\u00f6\u00dfere Kinder \u201ezum Psychologen\u201c oder zur Ergotherapie geschickt werden.<br>(<em><strong>Im Herbst 2015 beginnt der n\u00e4chste Kurs zum Erlernen dieser Arbeit mit Claudia K\u00f6hler \u2013. Auch Ray Castellino, Klaus K\u00e4ppeli zusammen mit Regina B\u00fccher bilden darin laufend aus.)<\/strong><\/em><br>Sie k\u00f6nnen diese Arbeit gut auf den vier DVD\u00b4s von Klaus K\u00e4ppeli unter der \u00dcberschrift \u201eDu bist einzigartig\u201c weiter kennenlernen (siehe meine Literaturliste).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br><br><br><a href=\"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/index.php\/ausgewaehlte-eigene-texte-redebeitrag-waehrend-des-fachtages-des-netzwerkes-rund-um-die-geburt\/\">zum Seitenanfang<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br><a href=\"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/index.php\/ausgewaehlte-eigene-texte-uebersicht\/\">zur \u00dcbersicht<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Redebeitrag w\u00e4hrend des Fachtages des \u201eNetzwerkes rund um die Geburt\u201c im Bezirk Berlin-Marzahn-Hellersdorf und des Vivantes Klinikum Hellersdorf am 16. Mail 2014 unter dem Thema\u00a0\u201eRisikofaktoren f\u00fcr die pr\u00e4-, peri- und postnatale Bindungsentwicklung und m\u00f6gliche Interventionen\u201c: I. 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