{"id":255,"date":"2025-08-24T15:23:03","date_gmt":"2025-08-24T15:23:03","guid":{"rendered":"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/?page_id=255"},"modified":"2025-08-28T13:51:18","modified_gmt":"2025-08-28T13:51:18","slug":"ausgewaehlte-eigene-texte-fruehe-bindungen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/index.php\/ausgewaehlte-eigene-texte-fruehe-bindungen\/","title":{"rendered":"AUSGEW\u00c4HLTE EIGENE TEXTE"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\" style=\"text-transform:uppercase\">Fr\u00fche Bindungen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Im Verh\u00e4ltnis zu den S\u00e4ugetieren verlassen wir Menschen etwa 9 Monate zu fr\u00fch den K\u00f6rper unserer Mutter (unser Kopf k\u00f6nnte sonst wohl nicht geboren werden). Und wir sind mit unserem unfertigen Gehirn viel instinktunsicherer, ungesch\u00fctzter, verletzlicher und f\u00fcr jede Art von Reizen und \u00c4ngsten offener als viele Tiere nach ihrer Geburt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Je unfertiger ein Lebewesen ist, umso mehr wird es von seiner Umgebung beeinflusst und ist ihr ausgesetzt.&nbsp;<br>Deshalb brauchen wir Menschen am Anfang unseres Lebens extrem viel Abschirmung durch unsere n\u00e4chste Bezugsperson. Im vertrauensvollen Kontakt zu ihr kann uns unsere Umgebung sozusagen nichts anhaben. Wir suchen oft z. B. noch lange den sch\u00fctzenden K\u00f6rperkontakt, geh\u00f6ren zu den \u00bbTraglingen\u00ab wie unsere Affenhalbgeschwister. Unser Bed\u00fcrfnis nach Sicherheit ist riesengross.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und wir sind schon als Winzlinge selbst bem\u00fcht, die Beziehung zu unserer Schutzperson bauen zu helfen. Wir setzen alles daran, von ihr beachtet und verstanden zu werden. Wenn das gelingt \u2013 in dem Tempo und mit den Pausen, die wir als so Kleine immer brauchen, und in der Art und Weise, wie es gerade f\u00fcr uns jetzt stimmt \u2013, wenn also so zwischen mir und der anderen Person Resonanz entsteht, f\u00fchlen wir uns wohl und k\u00f6nnen gedeihen.&nbsp;<br>E s&nbsp; e n t s t e h t&nbsp; B i n d u n g.<br>Wir hungern geradezu danach, gef\u00fchlsm\u00e4ssig ber\u00fchrt und in unserem aktuellen Bed\u00fcrfnis erkannt und verstanden zu werden. Forscher bezeichnen unser Gehirn als Bindungsorgan.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bindung bedeutet f\u00fcr den kleinen Menschen Sicherheit, Schutz und damit \u00dcberleben. Wenn wir \u2013 auch als Erwachsene \u2013 uns im Kontakt wohlf\u00fchlen, werden verschiedene Hormone, u.a. Gl\u00fcckshormone in unserem K\u00f6rper ausgesch\u00fcttet, was wiederum unser Bed\u00fcrfnis nach Kontakt verst\u00e4rkt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das gilt schon f\u00fcr&nbsp;<strong>das Ungeborene<\/strong>. Was es neben Nahrung und Schlaf f\u00fcr seine Entfaltung am N\u00f6tigsten braucht ist eine zugewandte Mama. Denn eine solche kann ihm ein k\u00f6rperliches Empfinden von Willkommensein vermitteln. Anhaltende \u00c4ngste, andauernder Stress oder Gedanken an Abtreibung k\u00f6nnen dagegen in ihm so etwas wie Todes\u00e4ngste erzeugen, weil sie gerade von der Person kommen, von der das Kind Verstehen und Wohlwollen erwartet.<br>Empfindet das Kind die Verbindung als gef\u00e4hrdet, kann es sich nicht vertrauensvoll \u00bbfallen lassen\u00ab, nicht angstfrei wachsen. Es muss einen Teil seiner Energie und N\u00e4hrstoffe dazu verbrauchen, sich selbst so gut wie m\u00f6glich zu sch\u00fctzen, z. B. auch vor Nikotin und Alkohol. Ungeborene scheinen auch schon R\u00fccksicht nehmen zu k\u00f6nnen, etwa sich zu verkriechen oder sich ganz still zu verhalten, wenn sie sich \u2013 vielleicht \u2013 als l\u00e4stig f\u00fcr die Mutter erleben.<br><br>Wenn die werdende Mutter genug k\u00f6rperliche und zwischenmenschliche Kraftquellen zur Verf\u00fcgung hat, kann sie ihre Probleme als eigene erkennen und dem Kind mitteilen, da\u00df es sich darum nicht zu sorgen braucht. Sie wird ihre Sorgen so nicht auf ihr Baby \u00fcbertragen. Dieses kann seine Umgebung dann gelassen hinnehmen und wird sie nicht als Bedrohung erleben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch&nbsp;<strong>w\u00e4hrend der Geburt<\/strong>, der ersten ganz grossen und anstrengenden Ver\u00e4nderung im Leben des Kindes, kann die Verbindung zu ihm gehalten \u2013, sein Vertrauen in seine Umwelt erhalten werden, wenn wenigstens ein Mensch im Kreissaal innerlich daf\u00fcr frei ist und leise oder auch laut mit ihm \u00fcber seine m\u00f6glichen Empfindungen spricht. Wenn sich die Geb\u00e4rende selbst wohlwollend unterst\u00fctzt und verstanden&nbsp; f\u00fchlt, wird sie dieses Gespr\u00e4ch selbst mit ihrem Baby f\u00fchren k\u00f6nnen. Das w\u00fcnschen wir uns. Manchmal aber ist das nicht m\u00f6glich. Dann kann ein gut vorbereiteter und feinf\u00fchliger Vater diesen Kontakt zu seinem Kind \u00fcbernehmen. Auch die Hebamme wird sich daf\u00fcr verantwortlich f\u00fchlen, wenn sie nicht mehrere Geburten zur gleichen Zeit betreut. Schliesslich ist zunehmend neben den medizinischen GeburtshelferInnen noch eine weitere verst\u00e4ndnisvolle Person allein f\u00fcr diese Aufgabe anwesend, eine Doula.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch&nbsp;<strong>das Neugeborene<\/strong>&nbsp;f\u00fchlt sich am Wohlsten, wenn sein Erleben und seine Kontakt- Bed\u00fcrfnisse wahrgenommen und beantwortet werden. Es scheint alles daran zu setzen, die Aufmerksamkeit seiner Mitmenschen zu erreichen \u2013 nun sichtbarer und h\u00f6rbarer als vor seiner Geburt \u2013, durch T\u00f6ne, vielleicht Schreien, Augenkontakt, Mimik, Gesten, Bewegungen, also mit seinem \u00bbsozialen Nervensystem\u00ab (Steven Porges). Denn alle diese Sinne wollen Kontakt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sp\u00e4ter krabbelt ein sicher gebundenes Kind bei Gefahr seiner Schutzperson hinterher, streckt seine Arme nach ihr aus und klammert oder kuschelt sich an ihren K\u00f6rper.<br>Wenn es sich unsicher f\u00fchlt, h\u00e4lt es Abstand. Wir vermuten, das tut es, um sich vor weiteren Entt\u00e4uschungen zu sch\u00fctzen. Es verspannt sich, um seinen Schmerz nicht zu sp\u00fcren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Bed\u00fcrfnisse der kleinen Kinder nach Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen und angemessenen Reaktionen einer festen Bezugsperson auf sein einmaliges Sosein, d.h. nach Resonanz ist mindestens so gross wie das zu atmen und das zu trinken. Folglich f\u00fchrt der Mangel an gelingender Begegnung unvermeidlich zu starken Verlust- oder Zornesempfindungen, vielleicht aber auch zu Resignation.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><br>Einige Literatur<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Bauer, Joachim:<\/strong>\u00a0Warum ich f\u00fchle, was Du f\u00fchlst. Intuitive Kommunikation und das Geheimnis der Spiegelneurone. Hamburg: Hoffmann und Campe, 7.Aufl. 2005<br><strong>Brisch, Karl-Heinz\/Theodor Hellbr\u00fcgge, Theodor (Hrsg.):<\/strong>\u00a0Die Anf\u00e4nge der<br>Eltern-Kind-Bindung. Stuttgart: Klett-Cotta 2007<br><strong>Deyringer, Mechthild:<\/strong>\u00a0Bindung durch Ber\u00fchrung. Schmetterlingsmassage f\u00fcr Eltern und Babys. Berlin: Leutner-Verlag 2008<strong><br>Harms, Thomas:<\/strong>\u00a0Auf die Welt gekommen \u2013 die neuen Babytherapien. Berlin: Leutner-Verlag 2000<br><strong>Mohr-Bartsch, Anne:<\/strong>\u00a0Kleine Sorgenkinder. Alternative Heilverfahren f\u00fcr S\u00e4uglinge und Kleinkinder. M\u00fcnchen: K\u00f6sel 2007<br><strong>Levine, Peter\/Maggy Kline:<\/strong>\u00a0Verwundete Kinderseelen heilen. Wie Kinder und Jugendliche traumatische Erlebnisse \u00fcberwinden k\u00f6nnen. M\u00fcnchen: K\u00f6sel 2005<br><strong>Porges, Steven:\u00a0<\/strong>Neurozeption &#8211; die drei Regelkreise des Autonomen Nervensystems, in: Trauma Newsletter Nr.3 vom Zentrum f\u00fcr Innere \u00d6kologie, Fr\u00fchjahr 2005<br><strong>Som\u00e9, Sobonfu E.:<\/strong>\u00a0In unserer Mitte. Kinder in der Gemeinschaft. Berlin: Orlanda-Verlag 2000<br><br><br><br><a href=\"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/index.php\/ausgewaehlte-eigene-texte-fruehe-bindungen\/\">zum Seitenanfang<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br><a href=\"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/index.php\/ausgewaehlte-eigene-texte-uebersicht\/\">zur \u00dcbersicht<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fr\u00fche Bindungen Im Verh\u00e4ltnis zu den S\u00e4ugetieren verlassen wir Menschen etwa 9 Monate zu fr\u00fch den K\u00f6rper unserer Mutter (unser Kopf k\u00f6nnte sonst wohl nicht geboren werden). Und wir sind mit unserem unfertigen Gehirn viel instinktunsicherer, ungesch\u00fctzter, verletzlicher und f\u00fcr jede Art von Reizen und \u00c4ngsten offener als viele Tiere nach ihrer Geburt. 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