{"id":272,"date":"2025-08-24T15:31:37","date_gmt":"2025-08-24T15:31:37","guid":{"rendered":"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/?page_id=272"},"modified":"2025-09-18T11:35:44","modified_gmt":"2025-09-18T11:35:44","slug":"ausgewaehlte-eigene-texte-zur-praeimplantationsdiagnostik","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/index.php\/ausgewaehlte-eigene-texte-zur-praeimplantationsdiagnostik\/","title":{"rendered":"AUSGEW\u00c4HLTE EIGENE TEXTE"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\" style=\"text-transform:uppercase\">Zur Pr\u00e4implantationsdiagnostik<\/h3>\n\n\n\n<p><br><strong>Vorbemerkung im Dezember 2021:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Den Stand der fachlichen Diskussion bis 2006 beschreibt das Buch, hrsg. von Christiane Woopen: &#8222;Rechtsfragen der Pr\u00e4implantationsdiagnostik &#8211; Empfehlungen der Dt. Gesellschaft f\u00fcr Medizinrecht&#8220; (Springer Vlg. 2007)<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><br>Ruth Priese<br>12555 Berlin<br>H\u00e4mmerlingstr. 95<br>Tel. 030-6574230<br>www.ruthpriese.de&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br><br>An die Abgeordneten des<br>Deutschen Bundestages<br>Platz der Republik 1<br>11011 Berlin<\/p>\n\n\n\n<p><br><br>Berlin, 21.April 2011<strong><br><\/strong><br><strong>Offener Brief zur anstehenden Entscheidung zur Pr\u00e4implantationsdiagnostik<\/strong><br><br>Sehr geehrte Damen und Herren Mandatstr\u00e4gerInnen des Deutschen Volkes im Deutschen Bundestag,&nbsp;<br>f\u00fcr die Art und Weise sowie die Atmosph\u00e4re Ihrer Debatte zur o.g. Problematik am Donnerstag, den 14.4.2011 danke ich Ihnen hiermit von Herzen. Damit haben Sie dem Gewicht der anstehenden Entscheidung m. E. in vorbildlicher Weise Rechnung getragen.<br>Bitte erlauben Sie mir dennoch, Ihnen einige Aspekte darzulegen, die mir an diesem Tag nicht gen\u00fcgend beleuchtet gewesen zu sein scheinen:<br><strong>1.)<\/strong>&nbsp;fast durchgehend wurde als Begr\u00fcndung f\u00fcr eine begrenzte Zulassung der PID das Leid von Paaren angef\u00fchrt, die nach schwersten Erfahrungen den Wunsch nach einem gesunden Kind haben. Solche Situationen wurden von Ihnen in unterschiedlichen Formulierungen beschrieben bis hin zu der von Herrn Dr. Steinmeier, es handele sich bei diesen Paaren um \u201e<em>\u00e4u\u00dferste Seelennot.<\/em><br>Ohne den Respekt vor dem Leid dieser Paare auf irgendeine Weise zu mindern, frage ich doch: ist ein solcher Ausdruck f\u00fcr den Zustand eines immens starken Wunsches angesichts anderer Leiden &#8212;- wohl zutreffend? Ich h\u00e4tte mir mehr N\u00fcchternheit in der Schilderung dieser realen Situationen einiger Familien im Rahmen des Koordinatensystems von viel anderer Not gew\u00fcnscht (z. B. der Not&nbsp; vieler tats\u00e4chlich alkohol- und nikotingesch\u00e4digter Kinder in unserer Gesellschaft): Es sind Situationen, in denen sich Paare anerkannterma\u00dfen in einer schwer zu ertragenden Lage befinden. Aber der Wunsch nach einem gesunden Kind ist und bleibt ein Wunsch. Einen solchen als \u201e\u00e4u\u00dferste Seelennot\u201c zu bezeichnen, f\u00f6rdert gesellschaftlich eine unrealistische Haltung, aus der heraus immer mehr Menschen immer \u00f6fter meinen, sie h\u00e4tten ein Recht auf die Erf\u00fcllung aller ihrer W\u00fcnsche. Das scheint mir eine fatale gesellschaftliche Entwicklung.<br>Wenn ein Paar genetisch so belastet ist, dass es schon mehrere Tot- oder Fehlgeburten erleiden musste oder ein bzw. mehrere behinderte Kinder hat, dann war es bisher die naheliegendste M\u00f6glichkeit, zu diesem schweren \u201eSchicksal\u201c zu stehen und ein Kind zu adoptieren (ein solches sch\u00f6nes Beispiel habe ich pers\u00f6nlich vor Augen). In f\u00fcr mich \u00fcberraschender Weise hat von den vielen RednerInnen dieser Debatte am 14.4. allein Herr Dr. Seifert diese M\u00f6glichkeit ausgesprochen. (Au\u00dferdem: in vergangenen Epochen der Menschheitsgeschichte hatten bekanntlich nicht immer alle Mitglieder einer Gesellschaft das Recht, Kinder in die Welt zu setzen&#8212;)<br>So frage ich mich, welche nicht ausgesprochenen Gr\u00fcnde gab es m\u00f6glicherweise, die viele von Ihnen bewogen, das Schicksal dieser relativ kleinen Gruppe von Menschen so vehement in den Vordergrund zu stellen und deren W\u00fcnsche nicht zu hinterfragen?&nbsp;<br><strong>2.)<\/strong>&nbsp;In keinem einzigen Redebeitrag fand ich eine mutige Auseinandersetzung mit den Interessen der WissenschaftlerInnen und ReproduktionsmedizinerInnen an der Legitimierung dieses Verfahrens (Schlie\u00dflich war es ein Arzt, nicht ein betroffenes Paar &#8211; , dessen Selbstanklage im Juli 2010 zu dem bekannten Urteil des Bundesgerichtshofes gef\u00fchrt hatte.). Allein Dr. Krings sprach am Ende seiner Rede seine Bef\u00fcrchtung im Blick auf eine Zulassung der PID aus, \u201e<em>dass die Begehrlichkeiten aus der wissenschaftlichen Forschung, ja selbst aus der Wirtschaft stark anwachsen werden\u201c<\/em>.<br>Zu der von Dr. Petra Sitte so formulierten Frage: \u201e<em>Hat der Embryo im Reagenzglas einen h\u00f6heren Lebensschutz als nach der Einnistung?\u201c<\/em>&nbsp; hatte zuvor Dr. Krings bereits eindeutig Stellung bezogen: Nat\u00fcrlich ist der Embryo in der Petrischale den Begehrlichkeiten der ForscherInnen und des Marktes viel schutzloser ausgeliefert als der im Mutterleib eingenistete. Das Schicksal des Letzteren ist ja wenigstens \u201enur\u201c von der m\u00fctterlichen Entscheidung abh\u00e4ngig.&nbsp;&nbsp;<br>Wir befinden uns bekanntlich nicht erst durch Fukushima im Prozess der wachsenden Einsicht, dass eben gerade nicht alles, was wir wissen und zu wissen begehren, auch angewendet werden kann, wenn der Erhalt der Erde f\u00fcr die kommenden Generationen oberste Richtschnur gemeinschaftlichen Handelns bleiben oder werden soll. Der ethisch nicht eingebundene Wissensdurst und E h r g e i z \u201enaturwissenschaftlicher\u201c ForscherInnen ist m. E. ebenso eine tragische Folge unserer abendl\u00e4ndischen Trennung von \u201eMater\u201c- ie und \u201eGeist\u201c wie der immer noch weitgehend legitim scheinende Profithunger der Wirtschaft. Beides geh\u00f6rt m. E. dringend auf den Pr\u00fcfstand. Vielleicht ist ja die Ihnen als Parlament&nbsp; mehr oder weniger aufgezwungene PID-Debatte eine gute Gelegenheit dazu?<br>Wir befinden uns m. E. in einer Neubewertung eines bisher geltenden Konsenses, Paradigmas (?), dem \u201eFortschritt\u201c dienen zu m\u00fcssen. Aber es k\u00f6nnte ja neben dem nun diskutierten Atomausstieg auch andere gesellschaftlich notwendige R\u00fcckw\u00e4rtsbewegungen geben. Mich hat z. B. die Nachricht erfreut, dass &#8211; laut Frank Patalong in Spiegel \u2013 Online &#8211; in Australien eine bis 2005 erlaubte Geschlechtsauswahl durch PID durch den Gesetzgeber wieder r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht wurde. Wir m\u00fcssen offenbar manchmal auch gesellschaftliche Irrwege gehen, um zu wirklich nachhaltigen gesellschaftlichen Entscheidungen zu kommen.<br>Es geht m. E. nicht um eine \u201e<em>h\u00f6herwertige\u201c&nbsp;<\/em>oder&nbsp;<em>\u201eminderwertige\u201c&nbsp;<\/em>&nbsp;ethische Entscheidung, also um kein Wetteifern in besserer oder schlechterer Moral, sondern allein um das Ringen darum, was Verantwortung f\u00fcr unsere Kinder und Enkelkinder bedeutet<br><strong>3.)<\/strong>&nbsp;Auch die Fragen nach den Ursachen von (zunehmender?) menschlicher Unfruchtbarkeit, von Gendefekten sowie von vermehrten Tot-, Fehl- und Fr\u00fchgeburten wurden in der Debatte nicht er\u00f6rtert. Dabei sind vielf\u00e4ltige Wirkungen hormonaktiver Substanzen in Umwelt und Industrieprodukten vermutlich bestens bekannt. Ob allerdings m\u00f6gliche psychosoziale Ursachen f\u00fcr diese Entwicklungen gen\u00fcgend gekannt, bedacht und gegen\u00fcber den genannten Begehrlichkeiten zu Bedenken gegeben werden, wage ich zu bezweifeln. Frauen stehen heute bei uns auch unter dem Druck einer weitgehend einseitig berufs-leistungsbezogenen Werteordnung. Wer erm\u00f6glicht den Paaren die alte Mu\u00dfe, geduldig auf eine Schwangerschaft zu warten?<br>Warum muss die Gesetzgebung in Sachen PID unbedingt der bestehenden Rechtslage angepasst werden, wie es die Frau Justizministerin in der Debatte so eindringlich forderte? G\u00e4be es nicht auch die andere M\u00f6glichkeit, n\u00e4mlich die, dass die bisherige Gesetzgebung \u2013 vor allem in Bezug auf die Zulassung von Sp\u00e4tabtreibungen &#8211; neu \u00fcberdacht wird?<\/p>\n\n\n\n<p>Mit erneutem Dank f\u00fcr Ihr Engagement und den besten W\u00fcnschen<br>Ruth Priese<br><br><br><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/index.php\/ausgewaehlte-eigene-texte-zur-praeimplantationsdiagnostik\/\">zum Seitenanfang<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><br><a href=\"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/index.php\/ausgewaehlte-eigene-texte-uebersicht\/\">zur \u00dcbersicht<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Pr\u00e4implantationsdiagnostik Vorbemerkung im Dezember 2021: Den Stand der fachlichen Diskussion bis 2006 beschreibt das Buch, hrsg. von Christiane Woopen: &#8222;Rechtsfragen der Pr\u00e4implantationsdiagnostik &#8211; Empfehlungen der Dt. Gesellschaft f\u00fcr Medizinrecht&#8220; (Springer Vlg. 2007) Ruth Priese12555 BerlinH\u00e4mmerlingstr. 95Tel. 030-6574230www.ruthpriese.de&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; An die Abgeordneten desDeutschen BundestagesPlatz der Republik 111011 Berlin Berlin, 21.April 2011Offener Brief zur anstehenden [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-272","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/272","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=272"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/272\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":656,"href":"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/272\/revisions\/656"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=272"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}