{"id":276,"date":"2025-08-24T15:33:36","date_gmt":"2025-08-24T15:33:36","guid":{"rendered":"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/?page_id=276"},"modified":"2025-09-03T20:20:11","modified_gmt":"2025-09-03T20:20:11","slug":"ausgewaehlte-eigene-texte-kinder-in-einer-missbrauchenden-gesellschaft","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/index.php\/ausgewaehlte-eigene-texte-kinder-in-einer-missbrauchenden-gesellschaft\/","title":{"rendered":"AUSGEW\u00c4HLTE EIGENE TEXTE"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\" style=\"text-transform:uppercase\">Kinder in einer missbrauchenden Gesellschaft<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br><strong>1.) Zum allt\u00e4glichen \u201eBenutzen\u201c von anderen Menschen<\/strong><br>Nicht nur \u00fcber \u201eausgemachte\u201c T\u00e4ter und T\u00e4terinnen sexuellen Mi\u00dfbrauchs sowie \u00fcber ihre Opfer sollten wir sprechen, auf welche oft mit moralischer \u00dcberhebung gezeigt wird. Wir sollten auch \u00fcber die vielen Formen verdeckten Gebrauchens anderer Menschen und vor allem von Kindern nachdenken.Von k\u00f6rperlich-sexuellen und emotionalen Gewaltverbrechen an Kindern, Schutzbefohlenen und Abh\u00e4ngigen zu h\u00f6ren und zu lesen, ist schlimm genug.<br>Jedoch gibt es auch ein allt\u00e4gliches Benutzen von Menschen und Benutzwerden durch Andere, welches nicht an die \u00d6ffentlichkeit kommt und den Beteiligten oft nicht bewusst ist. Dieses Geschehen m\u00f6chte ich hier in den Mittelpunkt meiner \u00dcberlegung stellen. Ganz langsam, mehr und mehr r\u00fccken auch weniger sichtbare Verletzungen der W\u00fcrde Anderer ins kollektive Bewusstsein und bieten eine Chance, das vielleicht noch gr\u00f6\u00dfere gesellschaftliche Problem in den Blick zu bekommen:<br>Die Allt\u00e4glicheit der Instrumentalisierung von Menschen durch Menschen.<br>Vielleicht k\u00f6nnte aus einer oft so uns\u00e4glich scheinheiligen Debatte \u00fcber offengelegten sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen ein Nachdenken \u00fcber den \u201egew\u00f6hnlichen\u201c Missbrauch werden.<br>Wir Heutigen z. B. haben uns in dieser Warengesellschaft weitgehend daran gew\u00f6hnt, von Werbefirmen und sogenannten Fachleuten, durch Bilder, Slogans und Kl\u00e4nge zum Kauf von Dingen \u00fcberredet zu werden, die wir gar nicht brauchen, \u2013 zu Handlungen gebracht zu werden, die wir eigentlich nicht wollten. Wir lassen uns auf diese Weise nicht selten von einer Konzentration und Besinnung auf unsere wahren Bed\u00fcrfnisse und dem Streben nach ihrer Erf\u00fcllung ablenken.<strong><br><br>2.) Zum \u00dcbergehen von Wahrnehmungen, Impulsen und Bed\u00fcrnissen<\/strong><br>So \u2013 eingew\u00f6hnt in ein Benutzwerden \u2013 \u00fcbergehen auch wir mehr oder weniger oft sowohl unsere eigenen Wahrnehmungen, Impulse und Bed\u00fcrfnisse als auch die anderer, damit unserer und ihrer Einzigartigkeit und W\u00fcrde \u2013 oft ohne es zu merken und zu wollen.<br>Um ein kleines Beispiel aus der sch\u00f6nen neuen Computerwelt zu nennen: Wir leiten manchmal sehr private e-mail-Briefe oder Adressen einfach weiter oder benutzen Bilder, ohne die Verfasserin oder den Verfasser bzw. die Dargestellten vorher um ihr Einverst\u00e4ndnis gebeten zu haben. Dabei ist ja auch eine e-mail-Korrespondenz ein sehr fragiles und wertvolles Beziehungsgeschehen, das umso mehr Sorgfalt im Umgang miteinander erfordert, je technisch leichter eine Verbindung durch einen schnellen Mausklick geworden ist.<br>Auch durch die modernen \u201eKommunikationstechniken\u201c laufen wir also derzeit Gefahr, unmerklich den Schutz Anderer h\u00e4ufiger zu gef\u00e4hrden, als wir es uns eingestehen.<strong><br><br>3.) Zum gew\u00f6hnlichen \u201eGebrauch\u201c von Kindern im Rahmen eines defizit\u00e4ren inneren Bildes vom Kind<\/strong><br>Noch wichtiger aber scheint mir die Anerkennung der Tatsache, dass in unserer Kultur einer \u201eschwarzen P\u00e4dagogik\u201c noch immer der allt\u00e4gliche \u201eGebrauch\u201c von kleinen Kindern normal zu sein scheint. Das Verh\u00e4ltnis zwischen uns Erwachsenen und den Kindern ist noch immer weitgehend gekennzeichnet davon, dass den Kleinen nur aufgrund ihrer geringen Gr\u00f6\u00dfe und ihrer Abh\u00e4ngigkeit keine den Erwachsenen gleichwertige menschliche W\u00fcrde und Empfindungsf\u00e4higkeit zugestanden wird und dass man ihnen oft wenig respektvoll begegnet<sup><a href=\"http:\/\/www.ruthpriese.de\/index.php?id=54#sdfootnote1sym\"><sup>1<\/sup><\/a><\/sup>. Das innere, meist unbewusst wirksame Leitbild f\u00fcr unser Handeln und Verhalten gegen\u00fcber Kindern ist in unserer Gesellschaft noch immer weitgehend durch \u201eDefizit- \u201e oder \u201eTabula-rasa-modelle\u201c<sup><a href=\"http:\/\/www.ruthpriese.de\/index.php?id=54#sdfootnote2sym\"><sup>2<\/sup><\/a><\/sup>&nbsp;gepr\u00e4gt. D.h. wir begegnen oft Kindern wie unfertigen Menschen, die nicht verstehen oder \u201emitkriegen\u201c, was ihnen geschieht und f\u00fcr die, was sie erleben, sp\u00e4ter keine Rolle spielen wird. Wenn wir aber Bilder vom Zustand ihres Gehirns ansehen \u2013 etwa in dem angegebenen Buch von Schumacher S.191 \u2013 sehen wir, wie viel Raum die mittleren Teile ihres Gehirns in diesem Stadium noch einnehmen und wie undifferenziert ihre Hirnrinde im Vergleich zu der von uns Erwachsenen ist. Aber es ist vermutlich genau umgekehrt: nach meiner Erfahrung verstehen sie Situationen und die Qualit\u00e4t von Beziehungen \u2013 auf eine intuitive Weise \u2013 viel genauer als wir. Ich vermute, ihr noch nicht ausgereiftes Gro\u00dfhirn ist daf\u00fcr verantwortlich. Denn ihr bereits vorhandenes \u201eMittelhirn\u201c mit den emotionalen Hirnzentren<sup><a href=\"http:\/\/www.ruthpriese.de\/index.php?id=54#sdfootnote3sym\"><sup>3<\/sup><\/a><\/sup>&nbsp;scheinen sie sehr viel umfassender zu benutzen \u2013, sie scheinen also intensiver zu f\u00fchlen als wir Erwachsenen, die wir viele unserer Wahrnehmungen mit unserem Denken filtern.<br>Dass alle unsere Erfahrungen in unserem \u201eimpliziten\u201c Ged\u00e4chtnis gespeichert werden, welches nicht bewusst abrufbar ist<sup><a href=\"http:\/\/www.ruthpriese.de\/index.php?id=54#sdfootnote4sym\"><sup>4<\/sup><\/a><\/sup>&nbsp;und wesentlich unser sp\u00e4teres Erleben und Verhalten bestimmt, ist inzwischen wissenschaftlicher Konsens.<br>Wenn wir mit kleinen Kindern zusammen sind, merken wir sehr bald, wie genau sie auf unser respektvolles oder unser unsensibles Verhalten reagieren: Schon S\u00e4uglinge nehmen wahr, ob wir z.B. ihre Angst vor allem Fremden achten, ihnen etwa bei einer ersten Begegnung nicht schnell mit gro\u00dfer N\u00e4he oder gar Ber\u00fchrung begegnen: Sie reagieren sehr bald mit Freundlichkeit, die ich als Dankbarkeit f\u00fcr diesen Respekt deute. Und sie zeigen uns diesen Dank dann aus v\u00f6llig freier Entscheidung mit einem wundersch\u00f6nen L\u00e4cheln, einer Geste oder mit freudigenT\u00f6nen.<br>Missachten wir nicht oft ihre ungeheure Anmut, Kreativit\u00e4t, Spontaneit\u00e4t, Liebesf\u00e4higkeit, Direktheit, Neugier, ihre genauen Emotionen? Selbst das F\u00fchlen wurde Kindern noch bis vor nicht langer Zeit abgesprochen: S\u00e4uglinge z. B. wurden noch vor wenigen Jahrzehnten ohne Narkose operiert. K\u00f6rperliche Z\u00fcchtigung wurde erst 1973 in der Bundesrepublik verboten.<br>Die Defizit-Leitbilder vom Kind haben sich einerseits zum Gl\u00fcck und andererseits zu unserem gro\u00dfen Erschrecken durch die S\u00e4uglings-, Bindungs- und Hirnforschung der letzten Jahrzehnte als v\u00f6llig haltlos erwiesen. Viele wissen nun endlich, dass auch die Ungeborenen sensibelst wahrnehmen und dass alle ihre Erfahrungen, zuallererst diejenigen aus den pr\u00e4geintensiven Zeiten der Schwangerschaft und der oft dramatischen Geburt gespeichert werden und die sp\u00e4tere Art ihres Wahrnehmens und Reagierens bestimmen.<strong><br><br>4.)Zu den Medien als Spiegel unserer Gesellschaft<\/strong><br>Solche Erkenntnisse setzen sich aus verst\u00e4ndlichen<sup><a href=\"http:\/\/www.ruthpriese.de\/index.php?id=54#sdfootnote5sym\"><sup>5<\/sup><\/a><\/sup>&nbsp;Gr\u00fcnden sehr langsam durch und werden auch von den Medien nicht sensibel vermittelt. Im Gegenteil: Kinder werden auch in ihnen oft skrupellos zu kommerziellen Zwecken benutzt: Vor nicht langer Zeit z.B. musste eine interessierte \u00d6ffentlichkeit erleben, dass S\u00e4uglinge und kleine Kinder von dem Fernsehsender RTL f\u00fcr eine Doku.reihe bedenkenlos und unter pseudo-p\u00e4dagogischer Betreuung von ihren Bindungspersonen getrennt und jeweils f\u00fcr mehrere Tage und N\u00e4chte fremden jugendlichen \u201eProbeeltern\u201c ausgeliefert worden waren. Die Ausstrahlung der Reihe konnte selbst von einem Heer Protestierender gerichtlich nicht verhindert werden. Die geltenden Bestimmungen zur Medienfreiheit in Deutschland erlaubten dem angerufenen Richter keine Verurteilung des Senders wegen Kindesmissbrauch!<br>K\u00f6rperliche und emotionale \u00dcbergriffe auf kleine Kinder geh\u00f6ren fast zum gewohnten, unreflektierten Alltag in unserer \u00d6ffentlichkeit. Wie oft streicht z. B. ein \u00e4lterer Mensch einem ihm fremden Baby oder Kleinkind einfach \u00fcber den Kopf oder schaut es durchdringend an, obwohl das Kind mit einem Stirnrunzeln, heruntergezogenen Mundwinkeln oder dem Abwenden seines Kopfes oder Blickes deutlich signalisiert, dass es dies nicht will! Die Bed\u00fcrfnisse der Erwachsenen scheinen allerorts wichtiger als die der Kinder!! Machtaus\u00fcbung ihnen gegen\u00fcber gilt bei uns als normal.<br>Ist dies ein moralischer Verfall im Vergleich mit vielen alten Kulturen der Erde? Wenn wir sensibler w\u00e4ren f\u00fcr die nonverbalen Signale auch gr\u00f6\u00dferer Kinder und wenn ihre K\u00f6rpersprache gesellschaftlich gesch\u00fctzt und allgemein respektiert w\u00fcrde, dann w\u00fcrden gesunde Erwachsene und P\u00e4dagogInnen Kinder vielleicht sorgf\u00e4ltiger vor kranken P\u00e4dophilen sch\u00fctzen k\u00f6nnen. Dann w\u00fcrden vielleicht weniger junge Menschen durch sexuelle Gewalt brutal zerst\u00f6rt und w\u00e4ren nicht lebenslang traumatisiert. Aber die Eindeutigkeit der kindlichen K\u00f6rpersprache zu lesen haben wir alle wenig gelernt. Nur so kann ich mir erkl\u00e4ren, dass z. B. \u00f6ffentliche Kinos mit Familienvorstellungen werben, in denen auch die Kleinen ungefragt dem Flimmern \u00fcber Stunden ausgesetzt werden. Ihre M\u00fctter k\u00f6nnen mit der Ausdrucksprache ihrer Kinder offenbar so wenig anfangen, dass sie sich mit dem Kind \u201eallein\u201c einsam f\u00fchlen. Junge V\u00e4ter oder M\u00fctter touren manchmal mit ihren Babys tagt\u00e4glich in eine andere Einrichtung ohne R\u00fccksicht darauf, ob die vielen verschiedenen Eindr\u00fccke f\u00fcr das Kind zu viel werden k\u00f6nnten. Sie<strong>&nbsp;<\/strong>nehmen die Folgen f\u00fcr ihre Kinder offensichtlich nicht wahr. Deshalb will ich ihnen auch keinen Vorwurf machen. Ich kann es nur betrauern. Aber sie brauchen das Gespr\u00e4ch mit anderen so dringlich wie das t\u00e4gliche Brot.<br>Warum f\u00e4llt uns angesichts von Kinderpornographie im Internet nichts anderes ein als ein \u2013 sicherlich angebrachtes \u2013 Verbot\/L\u00f6schen oder Sperren der Seiten? Warum sprechen wir nicht viel \u00f6fter miteinander z.B. auch \u00fcber unsere Begeisterung f\u00fcr die Anmut der Kinder? Das Aussprechen unserer Empfindungen<strong>,<\/strong>&nbsp;unseres Bewunderns und unserer Freude \u00fcber die Kinder w\u00e4re ja zugleich ein Teilen mit anderen lebendigen Menschen, ein Mit-teilen, Kommunikation \u2013 und so ein wirksamer Schutz vor unseren \u2013 vielleicht ebenso \u2013 zu \u00dcbergriffen neigenden Impulsen. Die angesehenen P\u00e4dagogen und Geistlichen, von deren Gewaltverbrechen an Kindern wir immer wieder erfahren m\u00fcssen und mu\u00dften, haben deutlich mit zu wenigen Anderen \u00fcber ihre Neigungen und Bed\u00fcrfnisse gesprochen.<br>Die \u00dcberg\u00e4nge von strafbaren Handlungen zu dem allgemein akzeptierten Gebrauch von Kindern und (oft Nackt-) Fotos in Werbung und Illustrierten sind auch hier flie\u00dfend. Vor Kurzem lief in Berlin z.B. ein \u201eBabycasting\u201c: Familien wurden von Fotogesch\u00e4ften gelockt, ihre Kleinen fotografieren zu lassen \u2013 ohne sch\u00fctzende Bezugsperson in fremder Umgebung drapiert \u2013, um die \u201e12 niedlichsten Babys Berlins\u201c zu ermitteln. Das daf\u00fcr werbende, gruselige Foto zeigte sehr deutlich, wie schrecklich es den Babys dabei ergeht. Ein Rabatt von einem Gratisfoto sollte die Eltern zur Teilnahme an einem solchen Wettbewerb \u00fcberreden. RTV im Verbund mit \u201eOptovit\u201c (dem Vertrieb eines Vitamin E-Pr\u00e4parats) rief einen Wettbewerb um das \u201es\u00fc\u00dfeste Enkelkind\u201c in Deutschland aus \u2013 !! Niemandem schien es zu beunruhigen, dass auf diese Weise all die vielen Familien, deren Kinder nicht in die Reihe der \u201eSieger\u201c aufgenommen werden, auf diese Weise in ihren Gef\u00fchlen ihrem Kind gegen\u00fcber beeintr\u00e4chtigt werden. Denn die \u201eNatur\u201c hat es bekannterma\u00dfen so eingerichtet, dass a l l e Eltern und Gro\u00dfeltern ihre Lieblinge als die Niedlichsten erleben. Wieder sind wirtschaftliche Interessen wichtiger als der Respekt vor der nat\u00fcrlichen Begeisterung junger Eltern f\u00fcr ihre Kinder, die ja eine naturgegebene Schutzfunktion hat.<br>Wie oft m\u00fcssen wir in der Zeitung von Beschwerden gegen Kinderl\u00e4rm lesen! Viele junge Eltern lernen seit einiger Zeit \u2013 endlich bzw. erneut \u2013, dass Weinen das Hauptverst\u00e4ndigungsmittel von Babys ist. Sie \u00fcben sich, den \u00c4u\u00dferungen ihrer Kindern sensibel zuzuh\u00f6ren, ja, dessen Art und Weise zu verstehen und ihre Kinder besser zu tr\u00f6sten. Aber wenn sie dies dann auch in der \u00d6ffentlichkeit tun, werden sie regelm\u00e4\u00dfig angefeindet und beschuldigt, schlechte Eltern zu sein. Man erwartet von ihnen, dass sie das Babyweinen, die Ausdrucksform der Kleinen durch einen Schnuller unterbinden, damit die Erwachsenen ihre Ruhe haben. Nach den Ursachen der Babytr\u00e4nen und nach m\u00f6glichen Folgen ihrer Unterdr\u00fcckung wird im \u00f6ffentlichen Raum bisher kaum einmal gefragt.&nbsp;<br>Es bleibt die n o t &#8211; w e n d e n d e&nbsp; g e s e l l s c h a f t l i c h e&nbsp; N o r m : \u201eH\u00e4nde weg, wenn das Kind es nicht will!\u201c Und: das Kind zeigt, was es will, wir m\u00fcssen nur genau hinsehen.<strong><br><br>5.) Zum Ein\u00fcben ins Aussprechen unserer Wahrnehmungen, Gef\u00fchle und Bed\u00fcrfnisse<\/strong><br>Um diese Norm einhalten zu k\u00f6nnen, sollten wir uns auch unsere eigene emotionale Bed\u00fcrftigkeit bewusst machen, dar\u00fcber viel mit anderen Erwachsenen sprechen und uns unsere Bed\u00fcrfnisse so gut wie m\u00f6glich selbst erf\u00fcllen. Denn viele von uns sind in ihrer Kindheit emotional hungrig geblieben.<br>Deshalb ist es so naheliegend, dass wir uns an den offenen und freigebigen Gef\u00fchlen der Kinder laben. Ja, wir d\u00fcrfen dies auch mit unserem ganzem Herzen tun, wenn wir die Grenzen zum Mi\u00dfbrauch einhalten.<br>M.E. wird dies dort leichter fallen, wo wir ein Bewusstsein von emotionalen der Kompetenz der Kinder<strong>&nbsp;<\/strong>bekommen. Heilige R\u00e4ume und Personen wurden zu allen Zeiten und in allen menschlichen Kulturen mit Respekt und dem Einhalten eines Abstandes geachtet. K\u00f6nnten wir unseren Kindern mit einem solchen Respekt begegnen, dass wir den Abstand zu ihnen so sorgsam einhalten, wie sie es uns jeweils zeigen und lehren?<br>Das Bed\u00fcrfnis nach Verstanden- und Geachtetwerden unserer Individualit\u00e4t ist bekanntlich eines der menschlichen Grundbed\u00fcrfnisse vom Beginn des Lebens an. Wir alle bleiben uns selbst und einander die Erf\u00fcllung dieses Bed\u00fcrfnisses oft schuldig, nicht nur P\u00e4dophilen in Schulen, Internaten und Heimen. Dennoch wird zu Recht das eine strafrechtlich relevant und das andere nicht \u2013.<br>Ich meine aber, eine Debatte \u00fcber Menschen missbrauchende \u201eSelbstverst\u00e4ndlichkeiten\u201c in Gesellschaft und \u00d6ffentlichkeit, besonders \u00fcber missbrauchende Gewohnheiten gegen\u00fcber den Schutzbefohlenen generell k\u00f6nnte das spezifische Gespr\u00e4ch \u00fcber sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen durch p\u00e4dagogische und kirchliche W\u00fcrdentr\u00e4ger ein wenig glaubw\u00fcrdiger machen.<br>Vielleicht k\u00f6nnte eine gr\u00f6\u00dfere Ehrlichkeit in dieser Debatte dann u.a. auch die Front notorischer Abwehr eines inneren Zusammenhanges zwischen dem von der katholischen Kirche geforderten Z\u00f6libat und sexuellem Missbrauch zum Br\u00f6ckeln bringen. Die Bisch\u00f6fin Maria Jepsen ermutigte ja einst zu einer Ausweitung des Gespr\u00e4chs auch auf die generelle Abwertung von K\u00f6rperlichem in der christlichen Werte-Tradition, indem sie formulierte:<br>\u201eWir haben die Sch\u00f6nheit der Sexualit\u00e4t nicht gelernt\u201c.<br>W\u00e4re auf dem Hintergrund dieses \u00f6ffentlichen Eingest\u00e4ndnisses dann nicht auch dar\u00fcber nachzudenken, ob die Forderung der katholischen Kirche nach Ehelosigkeit ihrer Diener ebenso wie das Postulat einer moralischen H\u00f6herwertigkeit von sexueller Enthaltsamkeit gegen\u00fcber sexueller Lust nicht ebenfalls eine Form der Missachtung ist \u2013 in gewisser Weise also auch des Missbrauchs der vom Sch\u00f6pfer gegebenen wunderbaren menschlichen K\u00f6rperlichkeit?<br>Auch das Fehlen einer Tradition grundlegender philosophischer Reflexion der zwischenmenschlichen Beziehungen, speziell der Beziehungen zwischen ungleich starken Menschen scheint mir zu der gegenw\u00e4rtigen Situation mit beigetragen zu haben. Wenn ich es richtig sehe, hat sich die \u201eabendl\u00e4ndische\u201c Philosophie wesentlich mit den Individuen, nicht mit ihren Beziehungen besch\u00e4ftigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">im Sommer 2018<a href=\"http:\/\/www.ruthpriese.de\/index.php?id=54#sdfootnote1anc\"><br><br><\/a>1\u00a0 Die Folgen aus den Zeiten, als wir selbst so klein waren, sitzen in sehr vielen von uns tief und zehren an unserem Selbstwertgef\u00fchl<a href=\"http:\/\/www.ruthpriese.de\/index.php?id=54#sdfootnote2anc\"><br><\/a>2\u00a0 H.-D. Schmidt \u201eneue deutsche literatur\u201c 10\/1982<a href=\"http:\/\/www.ruthpriese.de\/index.php?id=54#sdfootnote3anc\"><br><\/a>3\u00a0 Vgl. z.B. G.-H. Schumacher (1979 4. Aufl.): Embryonale Entwicklung des Menschen Vlg. Volk und Welt Berlin; und u.a. www. Das Gehirn in 3D<br>4\u00a0 Babette Rotschild ( ): Der K\u00f6rper erinnert sich.<a href=\"http:\/\/www.ruthpriese.de\/index.php?id=54#sdfootnote5anc\"><br><\/a>5\u00a0 Verst\u00e4ndlich, weil jedes Ernstnehmen dieser Zusammenh\u00e4nge uns \u2013 bewusst oder unbewusst \u2013 mit unseren eigenen fr\u00fchen Erfahrungen konfrontiert, die ja oft extrem schmerzlich sind.<br><br><br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/index.php\/ausgewaehlte-eigene-texte-kinder-in-einer-missbrauchenden-gesellschaft\/\">zum Seitenanfang<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br><a href=\"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/index.php\/ausgewaehlte-eigene-texte-uebersicht\/\">zur \u00dcbersicht<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kinder in einer missbrauchenden Gesellschaft 1.) Zum allt\u00e4glichen \u201eBenutzen\u201c von anderen MenschenNicht nur \u00fcber \u201eausgemachte\u201c T\u00e4ter und T\u00e4terinnen sexuellen Mi\u00dfbrauchs sowie \u00fcber ihre Opfer sollten wir sprechen, auf welche oft mit moralischer \u00dcberhebung gezeigt wird. 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