{"id":431,"date":"2025-08-27T11:46:48","date_gmt":"2025-08-27T11:46:48","guid":{"rendered":"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/?page_id=431"},"modified":"2025-09-03T20:17:49","modified_gmt":"2025-09-03T20:17:49","slug":"ausgewaehlte-eigene-texte-zu-fragen-von-schule-und-ethikuntertricht","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/index.php\/ausgewaehlte-eigene-texte-zu-fragen-von-schule-und-ethikuntertricht\/","title":{"rendered":"AUSGEW\u00c4HLTE EIGENE TEXTE"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\" style=\"text-transform:uppercase\">Zu Fragen von Schule und Ethikunterricht&nbsp;<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br><strong>Zur Entwicklung sozialer Kompetenz der Lehrerinnen und Lehrer f\u00fcr das Unterrichten im neuen Ethikfach in Berlin \u2013 Hoffnung auf eine weitere Dimension\u00a0 in der LehrerInnenbildung<\/strong>[1]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>1. Die Herausforderung<br>2. Beziehungsqualit\u00e4t und Lernen in der Literatur<br>3. Meine Empfehlungen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>1. Die Herausforderung<br><br>Die Entscheidung des Berliner Abgeordnetenhauses f\u00fcr die Einf\u00fchrung eines verbindlichen Ethikunterrichtes f\u00fcr alle Sch\u00fclerInnen in den Klassenstufen 7-10 der Stadt ab dem Schuljahr 2006\/2007 signalisiert m. E. erfreulicherweise auch ein Wahrnehmen der \u2013 und ein Reagieren auf die extrem verunsichernde Situation von Kindern und Jugendlichen in der gegenw\u00e4rtigen gesellschaftshistorischen Situation: Untersuchungen rechneten beispielsweise bereits im Jahr 2000 mit 50% Jugendlichen in Deutschland mit chronischen psychosomatischen Gesundheitsst\u00f6rungen und 15% mit krankheitswertigen Depressionen, Angst- und Essst\u00f6rungen oder Auff\u00e4lligkeiten aus dem Spektrum der Borderline-St\u00f6rungen[2]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit stehen Erwartungen und Anforderungen an die Schule generell und an die Qualit\u00e4t des Ethikunterrichts im Besonderen zur Disposition, wie sie anspruchsvoller nicht sein k\u00f6nnten. Auch die Lehrerbildung f\u00fcr dieses Fach wird dadurch herausgefordert, die Chance zu nutzen und weitere Wege zu suchen, um sich der Erf\u00fcllung dieser Erwartungen anzun\u00e4hern. Die Gefahr der \u00dcberforderung sowohl der Lehrkr\u00e4fte als auch die der DozentImmen in der Aus- , Fort- und Weiterbildung kann dabei m. E. nicht \u00fcbersch\u00e4tzt werden.<br>Im Berliner Schulgesetz hei\u00dft es zur Zielbestimmung des Ethikunterrichts in \u00a7 12 u.a.:\u00a0<strong>\u00bb<\/strong>&#8230;<strong><em>sollen die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler Grundlagen f\u00fcr ein selbstbestimmtes und verantwortungsbewusstes Leben gewinnen und soziale Kompetenz, interkulturelle Dialogf\u00e4higkeit und ethische Urteilsf\u00e4higkeit erwerben&#8230;.\u00ab.<\/em><\/strong><br>Ich m\u00f6chte mich in Folgendem zu den Zielstellungen:\u00a0<strong>Zugewinn an\u00a0Selbstbestimmung und sozialer Kompetenz im Ethikunterricht und in der Bildung der Ethiklehrkr\u00e4fte\u00a0<\/strong>\u00e4u\u00dfern. Denn diese Qualit\u00e4ten sind f\u00fcr mich und viele die Grundlage dessen, was wir moralisches Verhalten nennen.<br>F\u00fcr ihre Orientierung im unendlichen Angebot von Informationen und M\u00f6glichkeiten zur weiteren Gestaltung ihres Lebens brauchen junge Menschen heute neben beruflichen Qualifikationen und Urteilsf\u00e4higkeit mehr denn je: 1.) ein authentisches Selbstwerterleben und 2.) die F\u00e4higkeit, souver\u00e4n, d.h. ohne angstgeborene Abh\u00e4ngigkeit partnerschaftliche Beziehungen einzugehen (und gegebenenfalls wieder zu l\u00f6sen).<br>Diese Aspekte von Ich- und sozialer Kompetenz k\u00f6nnen bekanntlich nur im Rahmen der biographischen Gegebenheiten erworben und gefestigt werden, die jeder (junge) Mensch mit seiner\/ihrer Herkunft als Pr\u00e4gung mitbringt. Sie in ihrer schicksalhaften Unterschiedlichkeit anzunehmen und zu achten, danach die Grenzen der je eigenen Erlebens- und Handlungsm\u00f6glichkeiten zu erweitern, ist Lebensaufgabe eines jedes Menschen. Wege daf\u00fcr zu finden, soll also nun auch der schulische Ethikunterricht in Berlin den Jugendlichen helfen.<br><br>2. Beziehungsqualit\u00e4t und Lernen in der Literatur<strong><br><br>Volker Pfeifer\u00a0<\/strong>charakterisiert die diesbez\u00fcgliche Gespr\u00e4chslage zu didaktischen Fragen in der F\u00e4chergruppe LER, Ethik, Werte und Normen unter Bezug auf die KommunikationsklassikerInnen\u00a0<strong>Reinhard Miller<\/strong>[3]<strong>, Ruth Cohn<\/strong>[4]<strong>, Carl Rogers<\/strong>[5]<strong>, Marshall Rosenberg<\/strong>[6]<strong>, Friedemann Schulz von Thun<\/strong>[7]<strong>\u00a0u.a.\u00a0<\/strong>mit folgenden Worten<em>\u00a0<\/em>: \u00bb<em>Was die Sozialkompetenz angeht, so scheint in den letzten Jahren ein zwar schleichender, doch im Ganzen unumst\u00f6\u00dflicher Paradigmenwechsel stattgefunden zu haben. Die Beziehungsebene ist neben der Sachebene immer deutlicher in den Vordergrund ger\u00fcckt worden&#8230;.. Nur auf dem Boden \u201egegl\u00fcckter\u201c kommunikativer Beziehungen ist ein erfolgreiches Lehren und Lernen m\u00f6glich&#8230;. der ganze Unterricht ist ohne positive, klare Beziehungen betr\u00e4chtlich eingeschr\u00e4nkt\u00ab.<\/em>[8]<br>Pfeifer beschreibt in seiner Didaktik des Ethikunterrichts auf vielf\u00e4ltige Weise die zentrale Rolle von\u00a0<em>Ich-\u00a0<\/em>und\u00a0<em>Du-Kompetenz,<\/em>\u00a0nennt immer wieder die Selbstreflexion als Voraussetzung f\u00fcr gelingende Kommunikation. Ja, er er\u00f6rtert auch, dass das moralische Urteil nicht automatisch moralisches Handeln zur Folge hat, dass dieses vielmehr einge\u00fcbt werden muss. Z. B. zitiert er\u00a0<strong>I. Kant\u00a0<\/strong>\u201e&#8230;\u00a0<em>einen \u00b4habitum\u00b4 hervorzubringen, der nicht nat\u00fcrlich ist, aber doch die Natur vertritt, die durch die Nachahmung und \u00f6ftere Aus\u00fcbung zum \u00b4habitu\u00b4 wird\u201c.<\/em>\u00a0Dennoch bleibt f\u00fcr meine Wahrnehmung bei Pfeifer Grundlage seiner Er\u00f6rterungen und Empfehlungen die \u00dcberzeugung, dass f\u00fcr das Erreichen sozialer- und Ich- Kompetenz das Reflektieren des eigenen Verhaltens auf einer willentlich vom Individuum selbst steuerbaren, bewussten Ebene ausreiche. Die Dimension des Unbewussten unserer Bed\u00fcrfnisse, \u00c4ngste und Sehns\u00fcchte finde ich bei ihm weniger beleuchtet.. Erfahrungsgem\u00e4ss r\u00fccken ja Inhalte unseres Vor- und Unterbewussten nur durch die liebevolle Spiegelung Anderer aus unserem sogenannten impliziten- oder K\u00f6rper-Ged\u00e4chtnis[9]\u00a0in unser in Grenzen steuerbares Bewusstsein, das explizite Ged\u00e4chtnis[10]. Ohne eine wohlwollende Umgebung sind solche Selbsterkenntnisprozesse in der Regel viel zu unangenehm.<br>Leider fand ich bei Pfeifer auch keine Hinweise auf die Notwendigkeit eines Trainings der Selbst- und Sozialkompetenz in der LehrerInnenbildung. Er konstatiert zwar:\u00a0<em>\u201eJe differenzierter sich die Lehrperson wahrnimmt, sich ihrer Empfindungen, Motive oder Bed\u00fcrfnisse bewusst wird, umso sensibler wird ihr Umgang mit den Mitmenschen, umso genauer kann sie sich in deren Befindlichkeiten hineintasten.\u201c<\/em>[11]. Aber er stellt nicht in Rechnung, dass wir uns \u00fcber unsere Motive und Bed\u00fcrfnisse oft t\u00e4uschen und dass uns oft nur ein wohl gesonnenes, spiegelndes Gegen\u00fcber auf unsere blinden Flecken aufmerksam machen kann. Der Reflexion und m\u00f6glichen sukzessiven Ver\u00e4nderung unserer unbewussten Verhaltens- und Erlebensanteile widersetzen sich in uns oft starke Abwehrkr\u00e4fte.<br>Auffallend viele Neurobiologen haben sich in letzter Zeit zu menschlichem Lernen und Lehren generell ge\u00e4u\u00dfert. Ich zitiere exemplarisch einen von ihnen, weil die Erkenntnisse dieser jungen Wissenschaft m. E. besonders f\u00fcr moralisches Lernen gelten:\u00a0<strong>Joachim Bauer\u00a0<\/strong>etwa formuliert\u00a0 (m. E. wesentlich konsequenter als Pfeifer) &#8211; u.a.: \u00bb&#8230;<em>dass\u00a0<strong>dort<\/strong><\/em><strong>,\u00a0<em>wo Angst und Druck herrschen, eine weitere F\u00e4higkeit abnimmt, die von der Arbeit der Spiegelsysteme lebt: die F\u00e4higkeit zu lernen<\/em><\/strong><em>\u00ab<\/em>[12]<em>.<br><\/em>\u00bb<em>Die\u00a0Entfaltung der neurobiologischen Grundausstattung des Menschen\u00a0<strong>ist nur im Rahmen von zwischenmenschlichen Beziehungen m\u00f6glich,\u00a0<\/strong>Beziehungen, die aus dem pers\u00f6nlichen und sozialen Umfeld an das Kind herangetragen werden\u00ab.<\/em>(Hervorhebungen R.P.)[13]<br>\u00bb<strong><em>Selbstgef\u00fchl, Kommunikationsf\u00e4higkeit, Wissen und Kompetenz<\/em><\/strong><em>\u00a0entwickeln sich bei Kindern und Jugendlichen nicht von selbst..\u00ab<\/em>14]<em>.<br>\u00bbWas die Gene bereitstellen, ist eine fantastische neurobiologische Grundausstattung. Sie bedient sich aber nicht von selbst, sie muss bedient und eingespielt werden, und zwar nicht nur, um dadurch in einen funktionst\u00fcchtigen Zustand zu kommen, sondern auch mit dem Ziel, diesen Zustand dann zu erhalten\u00ab<\/em>[15]<em>.<br>\u00bb\u00b4Wenn ich sehe und gesehen werde, so bin ich\u00b4, Erst in den Spiegelungen der Erwachsenen kann ein Kind nach und nach erkennen, wer es selbst ist.\u00ab<\/em>[16]<em>\u00a0\u00a0<\/em><strong><em><br>\u00bbZu beobachten,\u00a0<\/em><\/strong><em>wie ein anderer sich ein Problem vom Hals schafft, eine Apparatur bedient oder emotional mit einer brisanten Aufgabe umgeht, kann ein entscheidender\u00a0<strong>Beitrag f\u00fcr meine eigene Kompetenz<\/strong>\u00a0sein, wenn ich selbst die gleiche oder eine \u00e4hnliche Aufgabe zu bew\u00e4ltigen habe.\u00a0<strong>Neurobiologisch gesehen ist beim \u00b4Lernen am Modell\u00b4 die zwischenmenschliche Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden von \u00fcberragender Bedeutung<\/strong>\u00ab<\/em>[17]<em><br>\u00bbDa Lehrer bzw. Lehrerinnen nie ausschlie\u00dflich als Stoffvermittler agieren\u00a0<strong>k\u00f6nnen<\/strong>, sondern immer als ganze Person in Erscheinung treten, wird klar, dass\u00a0<strong>effizientes Lehren und Lernen in der Schule nur im Rahmen einer gelungenen Beziehung zwischen Lehrern und Sch\u00fclern m\u00f6glich ist<\/strong>&#8230;. Das Hauptproblem liegt derzeit vielmehr darin, dass Lehrende \u2013 aus sehr unterschiedlichen Gr\u00fcnden \u2013 Schwierigkeiten haben, mit ihren Sch\u00fclern eine Arbeitsbeziehung zu gestalten, die das Lehren und Lernen f\u00f6rdert\u00ab.<\/em>[18]<em><br>\u00bbDie desolate Lage der Jugendlichen bedeutet, dass es f\u00fcr Lehrerinnen und Lehrer immer schwieriger wird, im Unterricht mit den Sch\u00fclern j<strong>ene f\u00f6rderliche Beziehung zu gestalten, ohne die es keinen Wissenstransfer geben kann.<\/strong>\u00ab<\/em>[19]<br>Der gro\u00dfe amerikanische Sozial- Anthropologe\u00a0<strong>E. Erikson<\/strong>\u00a0bezeichnete die Beziehungen zwischen den Kindern und ihrer sozialen Umwelt als einen zweiten \u00bb<strong><em>Scho\u00df, der dem Kind erlaubt, seine einzelnen F\u00e4higkeiten in bestimmten Stufen zu entwickeln und sie in einer Reihe psychosozialer Krisen zu einer Einheit zu verschmelzen\u00ab<\/em><\/strong>[20]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Entsprechend bescheinigen die Pisastudienergebnisse Finnland bekanntlich deshalb so hohe schulische Erfolge, weil dort den pers\u00f6nlichen Beziehungen zu jedem einzelnen jungen Menschen und die W\u00fcrdigung eines jeden von ihnen viel gr\u00f6\u00dferer Wert beigemessen werde als z. B. in Deutschland. Die fundamentale Bedeutung wertsch\u00e4tzender Beziehungen zu den Kindern und Jugendlichen f\u00fcr deren Lernmotivation wird auch aus der geradezu universellen Erfahrung deutlich, dass Lehrer- u.a. Pers\u00f6nlichkeiten, von denen wir uns in unserer eigenen Schulzeit gesehen und geachtet f\u00fchlten und zu denen wir eine pers\u00f6nliche Beziehung finden konnten, uns zum Lernen und zur \u00dcbernahme von Haltungen und Einstellungen motiviert und inspiriert haben[21].<br>Auch den Neurobiologen zufolge ist das \u00bb<strong>Lernen am Modell\u00ab der K\u00f6nigsweg allen Lernens<\/strong>\u00a0und die Achtung vor der Pers\u00f6nlichkeit jedes Sch\u00fclers und jeder Sch\u00fclerin die Grundlage f\u00fcr deren Lernmotivation. Deshalb muss m. E. den kommunikativen Kompetenzen, vor allem der Authentizit\u00e4t der Lehrerpers\u00f6nlichkeiten und ihrer m\u00f6glichst vorurteilsfreien Einstellung zu jedem der ihnen anvertrauten jungen Menschen in der Lehrerbildung mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden, als es mir bisher in Deutschland \u00fcblich erscheint.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es bleibt den Verantwortlichen aller Lehrerbildungsinstitutionen nicht erspart, die unbequeme Tatsache anzuerkennen, dass Echtheit und Ausstrahlung einer Pers\u00f6nlichkeit aus der Summe aller ihrer Ausdrucksformen besteht, der bewussten und der unbewussten. Ich zitiere dazu erneut J. Bauer:\u00a0<em>\u00bbEine Sympathie erzeugende \u00dcbereinstimmung zwischen einer gegebenen Situation und der in dieser Situation gezeigten K\u00f6rpersprache l\u00e4sst sich nicht bewusst planen oder willentlich herstellen. Der Sympathieeffekt \u00fcbertr\u00e4gt sich nur, wenn die Person spontan authentisch ist, das hei\u00dft, wenn ihr Ausdruck in Einklang mit ihrer tats\u00e4chlichen inneren Stimmung steht&#8230;<\/em>\u00ab[22]<br>Reaktionen sehr kleiner Kinder und h\u00f6herer Tiere (wie z. B. von Hunden und Pferden) auf ihnen zun\u00e4chst fremde Menschen zeigen diese komplexe, nonverbale Wahrnehmung von Pers\u00f6nlichkeitsqualit\u00e4ten sehr deutlich: sie wenden sich ab, wenn sie keine Stimmigkeit der Ausdrucksformen erleben.<br>Gr\u00f6\u00dfere Kinder, Jugendliche und Erwachsene verbergen ihre Empfindungen leider h\u00e4ufig, um nicht Ansto\u00df zu erregen. Dennoch entscheidet auch bei ihnen diese komplexe, gr\u00f6\u00dftenteils unbewusste Wahrnehmung, ob sie sich in der Gegenwart einer anderen, z. B. einer Lehrperson wohl- d.h. geachtet und sicher vor jeder Art von emotionalem oder k\u00f6rperlichem Missbrauch f\u00fchlen und dadurch zum Lernen motiviert werden oder eben nicht.<br>F\u00fcr moralisches Lernen gilt das Gesagte in noch weit st\u00e4rkerem Ma\u00dfe, denn \u00bb<strong><em>die Moral ist der menschlichen Beziehung inh\u00e4rent\u00ab<\/em><\/strong>[23]<strong><em>.\u00a0<\/em><\/strong><em><strong>M<\/strong><\/em>it diesem Zitat von ihm w\u00fcrde ich\u00a0<strong>Walter Herzog<\/strong>s umfassende Studien zum moralischen Lernen zusammenfassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aufbau oder F\u00f6rderung eines gesunden Selbstwertbewusstseins in der Schule speisen sich aus dem\u00a0 Erleben, von den Mitsch\u00fclerInnen und den Lehrkr\u00e4ften beachtet, geachtet und akzeptiert zu werden. Das ist angesichts gravierender Unterschiede in einer Schulklasse eine immense Herausforderung f\u00fcr die Lehrkr\u00e4fte. Denn ihnen allein obliegt es, immer wieder die famili\u00e4r bevorteilten Kinder und Jugendlichen einer Gruppe nach und nach dahin zu bringen, dass sie die Schicksalhaftigkeit anderer Herkunftsbedingungen ihrer KlassenkameradInnen sehen und achten lernen[24]. Jede vorget\u00e4uschte, nicht aus einer inneren Haltung kommende Freundlichkeit z. B. erreicht das Gegenteil.<br>U.a.\u00a0<strong>H. Niehues-Pr\u00f6bsting<\/strong>\u00a0nennt die Voraussetzung f\u00fcr die F\u00e4higkeit zur Achtung anderer und zur Anleitung zu derselben<strong>:\u00a0<\/strong>\u00bb<em>Jede wirkliche Achtung ist Selbstachtung. Wer sich selbst nicht achtet, ist unf\u00e4hig, andere zu achten&#8230;. Was der Selbstachtung Abbruch tut, mindert die Achtung und bef\u00f6rdert Achtungslosigkeit und Ver\u00e4chtlichkeit\u00ab.<\/em>[25]<em>\u00a0\u00a0<\/em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Wenn etwa eine Lehrperson so wenig Selbstwerterleben hat, dass sie aus einem inneren Geltungsbed\u00fcrfnis heraus das eigene Wollen und die eigenen kognitiven Kenntnisse in ihrer Wirkung auf ihre Sch\u00fclerInnen \u00fcbersch\u00e4tzen muss und dabei die Achtung vor der Einmaligkeit eines und einer jeden au\u00dfen vor bleibt, werden die jungen Menschen weder in ihrem Selbstwertbewusstsein noch ihrer Kommunikationsf\u00e4higkeit gest\u00e4rkt. Dann bleibt \u201emoralisches Urteilen und Lernen\u201c bestenfalls ein schnell wieder vergessenes Geschehen in der Gro\u00dfhirnrinde der Beteiligten[26].<br><br>3. Meine Empfehlungen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Haltungen von\u00a0<em>Wertsch\u00e4tzung-W\u00e4rme-Zuneigung, Verst\u00e4ndnis, Echtheit-Kongruenz<\/em>[27]<em>,\u00a0<\/em>denen dieselben Haltungen der eigenen Person gegen\u00fcber zugrunde liegen, sind entweder das Ergebnis eigener (meistens sehr fr\u00fcher gl\u00fccklicher) Erfahrungen eines Menschen, die sein Vor- und Unterbewusstsein gepr\u00e4gt haben. Oder aber sie sind (bei belastenden fr\u00fchen Erfahrungen) das Ergebnis m\u00fchsamer Selbsterfahrungs- und Umlernprozesse Erwachsener im Kontakt mit einem oder mehreren verstehenden und spiegelnden Gegen\u00fcber. \u00c4nderungen \u2013 ich wiederhole &#8211; sind angewiesen auf ein liebevolles Hinterfragen des eigenen Erlebens und Verhaltens und der eigenen Wirkung etwa auf Sch\u00fclerInnen. Ver\u00e4nderte Haltungen werden selten allein durch Willensakte in uns erzeugt oder bef\u00f6rdert, weil sie in der Regel nicht lustvoll sind, sondern oft mit Trauer einhergehen. Hilfreich, ja m. E. notwendig\u00a0 daf\u00fcr sind die von Achtung und Wohlwollen getragenen R\u00fcckmeldungen Anderer. Deshalb sollte m. E. im Konzept einer k\u00fcnftigen Lehrerbildung f\u00fcr das Unterrichten in den F\u00e4chern Ethik, LER, Werte und Normen das soziale Lernen &#8211; zeitweise in m\u00f6glichst geschlossenen (weil so f\u00fcr die TeilnehmerInnen emotional \u201esicheren\u201c, angstfreies Reflektieren erm\u00f6glichenden) Gruppen &#8211; Grundlage der Didaktik f\u00fcr dieses Unterrichtsfach werden[28].<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Reflektieren der je eigenen Ausstrahlung Anderen gegen\u00fcber wurde mit allen LER-LehrerInnen der Modellversuchszeit von 1992-1995 regelm\u00e4\u00dfig ge\u00fcbt.<a href=\"http:\/\/www.ruthpriese.de\/index.php?id=34#_ftn29\">\u00a0<\/a>Das war oft sehr m\u00fchsam, u.a. auch, weil die Lehrkr\u00e4fte aus der ehemaligen DDR dies von ihren vorangegangenen Ausbildungen her \u00fcberhaupt nicht gewohnt waren. Dennoch haben die psychologisch begleiteten Gruppen der LER-Lehrkr\u00e4fte w\u00e4hrend des Modellversuchs 1992-1994 und haben die Ergebnisse der \u00bb<em>Fach\u00fcbungen zur Kommunikation, Interaktion und zu Gruppenprozessen<\/em>\u00ab in der sp\u00e4teren Weiterbildung von LER-LehrerInnen offenbar eine sp\u00fcrbare Wirkung gehabt\u00a0[29].<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus meinen Erfahrungen im Land Brandenburg w\u00e4hrend der genannten Zeit heraus m\u00f6chte ich deshalb folgende&nbsp;<strong>Empfehlungen<\/strong>&nbsp;f\u00fcr die Aus-, Fort- und Weiterbildung von Lehrkr\u00e4ften sowie f\u00fcr deren berufliche Begleitung in der F\u00e4chergruppe aussprechen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1.)&nbsp;&nbsp;&nbsp; Die Bereitschaft zur&nbsp;<strong>Selbstreflexion&nbsp;<\/strong>in Gruppen sollte&nbsp;<strong>Zulassungsbedingung<\/strong>&nbsp;f\u00fcr die Immatrikulation zu den Studieng\u00e4ngen Ethik, LER, Werte und Normen sowie f\u00fcr den Lehramtsstudiengang Praktische Philosophie und f\u00fcr die Fort- und Weiterbildungen f\u00fcr das Unterrichten in den genannten F\u00e4chern werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2.)&nbsp;&nbsp;&nbsp; Fach\u00fcbungen zu Kommunikation und Selbstreflexion sollten unerl\u00e4sslicher Bestandteil des Studiums sowie der Fort- und Weiterbildung der zuk\u00fcnftigen Lehrkr\u00e4fte in diesen F\u00e4chern werden. Daf\u00fcr&nbsp; reichen 6 Semesterwochenstunden (SWS)&nbsp; nicht aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">3.)&nbsp;&nbsp;&nbsp; Der Erwerb bzw. die F\u00f6rderung sozialer- und Selbst-Kompetenz sollte in der Aus- , Fort- und Weiterbildung von zuk\u00fcnftigen LehrerInnen dieser F\u00e4cher nicht von der Fachdidaktik getrennt sondern zu ihrem Fundament werden. Es sollten z. B. Unterrichtsmethoden nicht vermittelt werden, ohne die reale Beziehungsqualit\u00e4t zwischen den gerade an einem Seminar beteiligten Personen &#8211; als Modell auch der schulischen Realit\u00e4t &#8211; gemeinsam zu reflektieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">4.)\u00a0\u00a0\u00a0 Erkenntnisse \u00fcber die Pr\u00e4gung der Entwicklung von\u00a0 Menschen von ihrer Empf\u00e4ngnis an, vor allem die \u00fcber die Folgen negativer Entwicklungsbedingungen ( Embryologie, Traumalehre, S\u00e4uglings-, Bindungs-, Aggressionsforschung und Neurobiologie) sollten unbedingt zum Lernpensum der Ethiklehrerbildung geh\u00f6ren\u00a0[30].<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">5.)\u00a0\u00a0\u00a0 Die Vorbereitung auf k\u00fcnftige Elternschaft sollte unbedingt Bestandteil des Unterrichts in den genannten F\u00e4chern sein. Es ist n\u00f6tig, dass die existentiellen Grundbed\u00fcrfnisse von Ungeborenen, S\u00e4uglingen und (Klein-)- Kindern[31]\u00a0ebenso wie die Grundlagen partnerschaftlicher Beziehungsgestaltung Unterrichtsstoff in den genannten F\u00e4chern\u00a0 werden (wo sonst kann einem leichtfertigen Umgang mit den zahlreichen Kindeswohlgef\u00e4hrdungen in Schwangerschaft und fr\u00fchkindlicher Entwicklung besser vorgebeugt werden?).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">6.)&nbsp;&nbsp;&nbsp; Alle in diesen F\u00e4chern unterrichtenden Lehrkr\u00e4fte sollten die berufsbegleitende Gelegenheit erhalten, sich in selbstreflexiven \u00dcbungen bzw. Supervisionsgruppen m\u00f6gliche unbewusste negative Haltungen und Verhaltensweisen gegen\u00fcber Sch\u00fclerInnen \u2013 als Resultat eigener biographischer Erfahrungen &#8211; bewusst zu machen und dadurch zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">7.)\u00a0\u00a0\u00a0 Nur psychologisch geschulte Fachkr\u00e4fte, die sich ausreichende Anteile ihres eigenen Vor- und Unterbewusstsein selbst hinreichend bewusst gemacht haben, die sich selbst achten und annehmen k\u00f6nnen und die so in der Lage sind, sich zu ihrem Gegen\u00fcber wohlwollend und akzeptierend zu verhalten, sollten als ModeratorInnen der\u00a0<strong><em>Fach\u00fcbungen zu Kommunikation und Selbstreflexion<\/em><\/strong>in der Aus-,\u00a0 Fort- und Weiterbildung f\u00fcr die genannten F\u00e4cher sowie in der Berufsbegleitung eingesetzt werden.<br>\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 R.P. Juli 2011<a href=\"http:\/\/www.ruthpriese.de\/index.php?id=34#_ftnref1\"><br><\/a>Anmerkungen<a href=\"http:\/\/www.ruthpriese.de\/index.php?id=34#_ftnref1\"><br><\/a>[1]\u00a0 Ich war von 1992-1994 im Auftrag des Ministeriums f\u00fcr Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg Koordinatorin der\u00a0<em>\u201ePsychologischen Begleitung<\/em>\u201c der Lehrerinnen und Lehrer im Modellversuch Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde\u00a0 (LER) und Mitglied der Arbeitskommission zur Erstellung der \u201e<em>Hinweise zum Unterricht im Modellversuch<\/em>\u201c Sek. I der MBJS 1994.<br>Dieser Text ist eine erweiterte Fassung \u00a0meines Diskussionsbeitrags w\u00e4hrend des Expertenhearings des \u201eForums Gemeinsames Wertefach f\u00fcr Berlin\u201c\u00a0\u00a0 am 26. Juni 2006 im Abgeordnetenhaus Berlin.<a href=\"http:\/\/www.ruthpriese.de\/index.php?id=34#_ftnref2\"><br><\/a>[2]   <em>\u201eJugendstudie Stuttgart 2000<\/em>\u201c nach Joachim Bauer (2005):\u00a0<em>Warum ich f\u00fchle, was Du f\u00fchlst \u2013 intuitive Kommunikation und das Geheimnis der Spiegelneurone<\/em>; 7. Aufl. .Hoffmann u. Campe Hamburg, S. 117; vgl. auch die Zusammenfassung der Wertvorstellungen Jugendlicher und die ausgezeichnete Beschreibung der extrem unterschiedlichen Ausgangslage und so auch Verhaltens von Kindern und Jugendlichen mit einem schwachen bzw. einem positiven Selbstkonzept bei V. Pfeifer (2009):\u00a0<em>Didaktik des Ethikunterichts \u2013 Bausteine einer integrativen Wertevermittlung,\u00a0<\/em>Kohlhammer Vlg. Stuttgart, S. 15-27 und S. 53.<a href=\"http:\/\/www.ruthpriese.de\/index.php?id=34#_ftnref3\"><br><\/a>[3]   <em>Beziehungsdidaktik,<\/em>Weinheim 2003<a href=\"http:\/\/www.ruthpriese.de\/index.php?id=34#_ftnref4\"><br><\/a>[4]   <em>Von der Psychoanalyse zur themenzentrierten Interaktion.\u00a0<\/em>Stuttgart 1997<a href=\"http:\/\/www.ruthpriese.de\/index.php?id=34#_ftnref5\"><br><\/a>[5]<em>   Die Entwicklung der Pers\u00f6nlichkeit,\u00a0<\/em>M\u00fcnchen 1989<a href=\"http:\/\/www.ruthpriese.de\/index.php?id=34#_ftnref6\"><br><\/a>[6]\u00a0\u00a0\u00a0u.a.\u00a0<em>Gewaltfreie Kommunikation,\u00a0<\/em>Junfermann Vlg. Paderborn 2004<a href=\"http:\/\/www.ruthpriese.de\/index.php?id=34#_ftnref7\"><br><\/a>[7]<em>   Miteinander reden &#8211; St\u00f6rungen und Kl\u00e4rungen,<\/em>rororo 1981<a href=\"http:\/\/www.ruthpriese.de\/index.php?id=34#_ftnref8\"><br><\/a>[8]\u00a0\u00a0\u00a0Kohlhammer Vlg. Stuttgart 2009, S. 269<a href=\"http:\/\/www.ruthpriese.de\/index.php?id=34#_ftnref9\"><br><\/a>[9]\u00a0\u00a0\u00a0die Unterscheidung von implizitem und explizitem Ged\u00e4chtnis u.a. bei Babette Rotschild:\u00a0<em>Der K\u00f6rper erinnert sich,<\/em>\u00a0Sythesis Vlg. Essen 2002<a href=\"http:\/\/www.ruthpriese.de\/index.php?id=34#_ftnref10\"><br><\/a>[10]\u00a0\u00a0\u00a0Wenn er z. B. auf S. 123 unter\u00bb<em>Ichkompetenz\u00ab\u201c\u00a0<\/em>schreibt:\u00a0<em>\u00bbNur wenn die Lehrperson sich ihrer eigenen Gef\u00fchle oder Werthaltungen bewusst ist, kann sie im Gespr\u00e4ch hinreichend frei und beweglich agieren\u00ab.\u00a0<\/em>Dieses Bewusstwerden, ist oft mit starken negativen Emotionen verbunden und deshalb scheut sich unser Gehirn oft davor, wenn es nicht gleichzeitig Zuwendung genie\u00dfen darf.<a href=\"http:\/\/www.ruthpriese.de\/index.php?id=34#_ftnref11\"><br><\/a>[11]\u00a0\u00a0\u00a0a.a.O. S. 269<a href=\"http:\/\/www.ruthpriese.de\/index.php?id=34#_ftnref12\"><br><\/a>[12]\u00a0\u00a0 Joachim Bauer , a.a.O. S.35. Vgl. auch die entsprechenden\u00a0 Arbeiten anderer Neurobiologen wie z. B. Gerhard Roth, Gerald H\u00fcther, Antonio Damasion oder Marco Rauland.\u00a0<br>Wenn ich etwa als Lehrkraft in meiner eigenen Geschichte viel Angst und Druck erlebt und so verinnerlicht habe, so werde ich diese unbewusst an Abh\u00e4ngige weitergeben, wenn ich mir nicht zuvor meine eigene Geschichte bewusst gemacht und gegebenenfalls betrauert habe.<a href=\"http:\/\/www.ruthpriese.de\/index.php?id=34#_ftnref13\"><br><\/a>[13]\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0a.a.O. S. 118<a href=\"http:\/\/www.ruthpriese.de\/index.php?id=34#_ftnref14\"><br><\/a>[14]\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0a.a.O. S. 118<a href=\"http:\/\/www.ruthpriese.de\/index.php?id=34#_ftnref15\"><br><\/a>[15]\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0a.a.O. S. 118<a href=\"http:\/\/www.ruthpriese.de\/index.php?id=34#_ftnref16\"><br><\/a>[16]\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0a.a.O. S. 119<a href=\"http:\/\/www.ruthpriese.de\/index.php?id=34#_ftnref17\"><br><\/a>[17]\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0a.a.O. S. 122-123<a href=\"http:\/\/www.ruthpriese.de\/index.php?id=34#_ftnref18\"><br><\/a>[18]\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0a.a.O. S. 123. Also muss m. E. alles daran gesetzt werden, dass Lehrkr\u00e4fte die notwenige Unterst\u00fctzung erhalten, um diese Beziehungen zu ihren Sch\u00fclerInnen aufzubauen und zu erhalten.<a href=\"http:\/\/www.ruthpriese.de\/index.php?id=34#_ftnref19\"><br><\/a>[19]\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0a.a.O. S. 125<a href=\"http:\/\/www.ruthpriese.de\/index.php?id=34#_ftnref20\"><br><\/a>[20]    <em>Einsicht und Verantwortung<\/em>, 1992, Fischer Frankfurt \/M. S. 102<br>[21]\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Dass eine respekt- und zugleich liebevolle Beziehung zu Kindern und Jugendlichen jede Art von \u00bbGebrauch\u00ab oder gar \u201eMissbrauch\u201c peinlichst ausschlie\u00dft, geh\u00f6rt f\u00fcr mich zur p\u00e4dagogischen Verantwortung. Und gerade weil\u00a0 im p\u00e4dagogischen Alltag Situationen nicht zu vermeiden sind, in denen sich Gef\u00e4hrdungen des respektvollen Abstandes zu den Anvertrauten ergeben, halte ich Supervision f\u00fcr alle p\u00e4dagogischen T\u00e4tigen f\u00fcr ebenso unerl\u00e4sslich wie f\u00fcr alle TherapeutInnen.<a href=\"http:\/\/www.ruthpriese.de\/index.php?id=34#_ftnref22\"><br><\/a>[22]\u00a0\u00a0\u00a0a.a.O. S. 49<a href=\"http:\/\/www.ruthpriese.de\/index.php?id=34#_ftnref23\"><br><\/a>[23]   <em>Das moralische Subjekt, &#8211; p\u00e4dagogische Intuition und psychologische Theorie,<\/em>\u00a0Vlg. Huber, Bern, G\u00f6ttingen, Toronto 1991, S. 344. Um die Qualit\u00e4t der zwischenmenschlichen Beziehungen wird m. E. gerungen in allen den vielen Bem\u00fchungen, das Lernen von Kindern und Jugendlichen angesichts des Machtgef\u00e4lles zwischen ihnen und den Lehrenden human zu gestalten, von der griechischen Antike an \u00fcber z. B.\u00a0<strong>Rousseau<\/strong>, die Reformp\u00e4dagogik,\u00a0<strong>Freinet und Montessori<\/strong>, die Landerziehungsheime,\u00a0<strong>A. S. Neill\u00a0<\/strong>bis hin zu den \u00dcbersetzungen therapeutischer Einsichten in den p\u00e4dagogischen Bereich, z. B. in der \u201eThemenzentrierten Interaktion\u201c\u00a0 (TZI) von\u00a0<strong>R. Cohn\u00a0<\/strong>und in\u00a0 vielen anderen Methoden.<br>Bereits in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts wiesen\u00a0<strong>R. und A. Tausch\u00a0<\/strong>in breit angelegten Untersuchungen nach, dass\u00bb<em>Wertsch\u00e4tzung-W\u00e4rme-Zuneigung; Verst\u00e4ndnis; Echtheit-Kongruenz\u00ab,\u00a0<\/em>welche Lehrkr\u00e4fte ihren Sch\u00fclerInnen entgegen bringen, die Lust am Lernen bef\u00f6rdern. Sie nannten auch \u00bb<em>Bedingungen der \u00c4nderung des Lehrer-Erzieherverhaltens\u00ab\u00a0<\/em>\u00a0(in:\u00a0<em>Erziehungspsychologie<\/em>, 6. Aufl.Hogrefe G\u00f6ttingen 1971, S. 317-463, vgl. auch R. Tausch\u00a0 in P\u00c4DAGOGIK 11\/99 S. 38-41: \u00bb<em>Achtung und Einf\u00fchlung \u2013 Kompass f\u00fcr didaktische und erzieherische Handlungen von Lehrerinnen und Lehrern\u00ab<\/em>.\u00a0<br>Auch f\u00fcr\u00a0<strong>I.Kant<\/strong>\u00a0war bekanntlich die Achtung\u00a0<em>das moralische Gef\u00fchl schlechthin.<br><\/em><strong>K. Singer,<\/strong>\u00a0Autor von\u00a0<em>Die W\u00fcrde des Sch\u00fclers ist antastbar,\u00a0<\/em>rororo Reinbek 1998, formuliert: \u00bb<em>Wenn Selbstwert gest\u00f6rt ist, ist die Leistungsfreude weg\u00ab.<\/em><br>Die Pionierin einer Didaktik f\u00fcr LER,\u00a0<strong>U. Pfender\u00a0<\/strong>schrieb<strong>:<\/strong>\u00a0\u00bb<em>&#8230;dass die F\u00e4higkeit, \u00c4ngste zu \u00e4u\u00dfern, erst eine Folge der vorher empfundenen Freude und Selbstbest\u00e4tigung war \u00bb<\/em>(in:\u00a0<em>Und wie geht\u2019s Herrn und Frau L.? &#8211; Ann\u00e4herungen an eine Sch\u00fcler- UND Lehrerfreundliche Didaktik\/Methodik in Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde,\u00a0<\/em>Berlin 1995, Selbstverlag S. 36).<br>1990 ver\u00f6ffentlichte der kalifornische Staat den Abschlu\u00dfbericht einer \u00bb<em>Kommission zur F\u00f6rderung von Selbstachtung und pers\u00f6nlicher und sozialer Verantwortlichkeit\u00ab .\u00a0<\/em>Es hei\u00dft darin<em>:\u00a0<\/em>\u00bb..\u00a0<em>\u00a0die F\u00f6rderung der Selbstachtung der Eltern selbst &#8230; ist bei Weitem das entscheidende und wesentliche Element!\u00bb,\u00a0<\/em>zitiert in: Th. Harms (Hrsg.2000):\u00a0<em>Auf die Welt gekommen<\/em>,\u00a0<strong>U. Leutner<\/strong>\u00a0Berlin, S. 96\/97.<a href=\"http:\/\/www.ruthpriese.de\/index.php?id=34#_ftnref24\"><br><\/a>[24]\u00a0\u00a0\u00a0F\u00fcr mich vorbildhaft in diesen Fragen ist die Arbeit der Lehrerin und Familienaufstellerin\u00a0<strong>Marianne Franke-Griksch: \u201e<\/strong><em>Du geh\u00f6rst zu uns!\u201c.<\/em>Carl-Auer-Systeme Verlag Heidelberg 2002<a href=\"http:\/\/www.ruthpriese.de\/index.php?id=34#_ftnref25\"><br><\/a>[25]\u00a0\u00a0\u00a0(in: \u201e<em>Ethik und Unterricht\u201c<\/em>\u00a01\/2001 S. 9):\u00a0<a href=\"http:\/\/www.ruthpriese.de\/index.php?id=34#_ftnref26\"><br><\/a>[26]\u00a0\u00a0\u00a0Das ist leider immer dann der Fall, wenn etwa im Rahmen philosophischer Ethik die moralische Urteilsbildung nach\u00a0<strong>L. Kohlberg<\/strong>\u00a0zum dominierenden\u00a0 Inhalt eines Ethikunterrichts gemacht wird.<a href=\"http:\/\/www.ruthpriese.de\/index.php?id=34#_ftnref27\"><br><\/a>[27]\u00a0\u00a0\u00a0Begriffe aus\u00a0 den genannten Untersuchungen von\u00a0<strong>A. und R. Tausch<\/strong><a href=\"http:\/\/www.ruthpriese.de\/index.php?id=34#_ftnref28\"><br><\/a>[28]   <strong>Volker Pfeifer\u00a0<\/strong>fragt<strong>\u00a0<\/strong>am Ende\u00a0 seiner\u00a0<em>Didaktik des Ethikunterrichts \u2013 Bausteine einer integrativen Wertevermittlung,<\/em>\u00a0nach einer \u00bb<em>Wiederkehr der Tugend\u00ab.\u00a0<\/em>\u00a0Und er zitiert\u00a0<strong>Fritz Oser.\u00a0\u00a0<\/strong>Dessen von Pfeifer auf S. 340 a.a.O. zitierte Haltung im Jahr 2001 in diesen Fragen ist m. E auch eine Folge der diesbez\u00fcglichen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen \u00fcber die Qualifikationen f\u00fcr das Lehren in den Schulf\u00e4chern LER, Werte und Normen sowie Ethik seit 1992 . Oser res\u00fcmiert: \u00bb<em>&#8230; so kann gezeigt werden, dass auch moralische Einstlellung mehr ist als moralisches Wissen. Heute kann allgemein angenommen werden, dass moralische Tiefenstrukturen, die moralisches Handeln tragen, etwas anderes sind, als moralische Inhalte; es sind vom Subjekt selbst erarbeitete Schemata, die sein Denken steuern. Handlungstheorien zeigen, dass moralische Akte an solche Schemata und an Verpflichtungs- und Verantwortungsgef\u00fchle gebunden sind\u201c.<\/em><br>[29]\u00a0\u00a0\u00a0Vgl. u.a. zu den Wirkungen dieses Teil der LER-Lehrerbildung:\u00a0 R. Priese (1997):\u00a0<em>Lernen und soziale Verantwortung \u2013 zur Lehrerbildung im Projekt \u201eLebensgestaltung-Ethik-Religionskunde,<\/em>Psycho-Sozialverlag Giessen. Und vgl. die dort mitgeteilten Methoden zum sozialen Lernens.<br>[30]\u00a0\u00a0 Denn nur durch eine ann\u00e4hernde Kenntnis \u00fcber das bio-psycho-soziale Entwicklungsprogramm\u00a0<strong>gesunder Kinder\u00a0<\/strong>und ein daran gemessenes Wissen um die tats\u00e4chliche Entwicklungsgeschichte eines jeden Sch\u00fclers und einer jeden Sch\u00fclerin von Beginn seines und ihres Lebens an, die Wahrnehmung der Traumata in vielen\u00a0 (fr\u00fch-) kindlichen Entwicklungen &#8211; , kann eine Lehrkraft ann\u00e4hernd das Verhalten der jungen Menschen verstehen, ihnen entsprechend wertungsfrei begegnen und die je Anderen zu solcher Achtung anleiten.<a href=\"http:\/\/www.ruthpriese.de\/index.php?id=34#_ftnref31\"><br><\/a>[31]\u00a0 &#8230; etwa die nach einem gesunden, stressarmen\u00a0 (z. B. auch Alkohol-, Drogen- und nikotinfreien) Uterus, nach Gewolltsein, Verst\u00e4ndnis w\u00e4hrend Schwangerschaft und\u00a0 Geburt, durchgehender Wertsch\u00e4tzung, Zugeh\u00f6rigkeit, Schutz, (K\u00f6rper-)-Kontakt, Kontinuit\u00e4t, Grenzen und Autonomie. Denn die S\u00e4ttigung solcher Grundbed\u00fcrfnisse in der fr\u00fchesten und fr\u00fchen Kindheit ist die wichtigste Grundlage des sp\u00e4teren Verm\u00f6gens, das Leben zu genie\u00dfen und\u00a0 erst so &#8211; verantwortlich zu handeln.<br><br><br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/index.php\/ausgewaehlte-eigene-texte-zu-fragen-von-schule-und-ethikuntertricht\/\" data-type=\"page\" data-id=\"431\">zum Seitenanfang<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br><a href=\"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/index.php\/ausgewaehlte-eigene-texte-uebersicht\/\">zur \u00dcbersicht<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu Fragen von Schule und Ethikunterricht&nbsp; Zur Entwicklung sozialer Kompetenz der Lehrerinnen und Lehrer f\u00fcr das Unterrichten im neuen Ethikfach in Berlin \u2013 Hoffnung auf eine weitere Dimension\u00a0 in der LehrerInnenbildung[1] 1. Die Herausforderung2. Beziehungsqualit\u00e4t und Lernen in der Literatur3. Meine Empfehlungen 1. Die Herausforderung Die Entscheidung des Berliner Abgeordnetenhauses f\u00fcr die Einf\u00fchrung eines verbindlichen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-431","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/431","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=431"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/431\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":619,"href":"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/431\/revisions\/619"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neu.ruthpriese.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=431"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}